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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 223 -
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22319. Februar 1849 [frankfurt] 19. februar Abends rechberg ist fort, von Preußen ist eine conciliatorische note gekommen, welche jeden Conflict mit Oesterreich deprecirt, die einheitliche Spitze scheint mir so gut wie begraben, nur in der nationalversammlung will man es nicht einsehen. schmerlings organ, die frankfurter Zeitung, wird immer heftiger und persönlicher in ihren Angriffen auf gagern und hetzt zwischen ihm und dem erzherzog, der ein größeres pecus ist als je, und ich muß mit aller kraft an mich halten, um in meiner indignation über Alles dieses nicht zu weit zu gehen und es mit meinen eigenen landsleuten und dem olmützercabinette (welches, durch schmerling und den milzsüchtigen rechberg verhetzt, voll Argwohn und mißtrauen ist) nicht zu verderben und auf ein mahl ganz unerwarteterweise als ultradeutsch und antiöster- reichisch gesinnter zu erscheinen. mittlerweilen verhalten gagern und die nationalversammlung sich ganz passiv, anstatt, wie sie sollten, die initiative zu ergreifen, ersterer, indem er einen annehmbaren Plan (für diesen halte ich noch immer den meinigen) den regierungen, vorab der österreichischen, vorschlüge, letztere, indem sie eine energische Ansprache an das deutsche volk erließe und den schrit- ten der einzelregierungen gegenüber ein minimum der einheit, etwa eine gemeinsame volksvertretung und diplomatie, auf alle fälle in Anspruch nähme. Wäre ich ein deutscher, ich hätte schon längst einen solchen An- trag gestellt. ein energischer schritt kann der nationalversammlung mit einem schlage ihre alte gewalt und Popularität wiedergeben, ja aus ihr einen convent machen. überhaupt sind wir noch lange nicht zu ende, und der märz dürfte neue stürme bringen, es sieht hier und in einem großen theile von deutschland so aus, als ob wieder etwas losgehen sollte. Mich zieht es stark nach Hause. Dort dürfte ich bald zu thun finden.1 hier haben die Anhänger der österreichischen idee eine commission nie- dergesetzt, um einen verfassungsentwurf auszuarbeiten, dem oesterreich beitreten könnte, heckscher, Welcker, sommaruga, edel, Würth, giskra etc., ein unmögliches unternehmen, man wird oesterreich zu viel, deutsch- land zu wenig, und keinem recht thun, in der nationalversammlung aber fiasco machen. indessen occupirt sich die junge und damenwelt mit einem bal costumé bey Bergen, der morgen statthat. dieser hat mein früheres verhältniß zu 1 noch am 17.2.1849 hatte er sich seiner schwester gabriele gegenüber sehr skeptisch zu seinen chancen in österreich geäußert (k. 114, umschlag 662): „[ich] möchte endlich ein- mal wieder in direkte dienste meines vaterlandes treten entweder als Abgeordneter oder in einer diplomatischen Anstellung, ich hatte gehofft, man würde mir eine solche antragen. Nun sind aber alle Stellen besetzt. Enfin nous verrons“.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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