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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 225 -
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22522. Februar 1849 nicht. ich erwiederte, ein einheitliches oberhaupte hielte ich für jetzt bey dem Widerstreben der stämme und der dynastieen für unmöglich. das di- rectorium sey allerdings eine unvollkommenere form, würde aber bey der constitutionellen regierungsform, wo der schwerpunct ohnehin in der na- tionalversammlung und dem verantwortlichen ministerium ruhe, in praxi keine so erheblichen nachtheile haben, als er glaube, freylich sagte ich ihm nicht, daß es für oesterreich gar nicht wünschenswerth seyn könne, jetzt, so lange oesterreich noch nicht consolidirt ist, ein allzu starkes deutsch- land entstehen zu sehen. das facit dieses gespräches war, daß gagern meinen Antrag, nach ol- mütz zu gehen, mit großer lebhaftigkeit aufnahm (da er, wie er mich wieder- holt versicherte, auf niemanden so großes vertrauen gesetzt habe, wie auf mich), ein definitiver Beschluß jedoch auf eine spätere Unterredung verscho- ben wurde, bis zu welcher er mir ein mémoire mittheilen will, an dem er eben jetzt für schwarzenberg arbeitet. Bis dahin hofft er, werde ich auch hinsicht- lich der einheitsfrage mich besonnen haben, während ich in diesem Punkte auf keinen fall nachgeben werde noch nachgeben kann. übrigens kann der- selbe vielleicht für jetzt beseitigt werden, indem er in der Bundesacte, um deren Abschließung es sich zunächst handelt, nicht zur sprache kömmt. Wahrscheinlich werde ich, auch wenn ich mich mit gagern nicht verstän- dige, auf meine eigene faust nach olmütz gehen, um dort meinen Plan in Anregung zu bringen, einerseits halte ich ihn für den einzig möglichen, an- derseits ist es dringend notwendig, daß jetzt sogleich noch vor der 2. lesung der Verfassung etwas definitives von Seiten der Regierungen geschehe. In Preußen ist man der idee eines directoriums weit weniger abgeneigt als hier, und so dürfte es wohl gelingen, wenn man es bald und geschickt an- greift. gagern aber wird darüber das herz brechen. duckwitz hat mir ein memorandum über denselben gegenstand, vor- nehmlich vom commerciellen standpunkte aus, mitgetheilt, welches viel Werthvolles enthält. mittlerweilen beräth die nationalversammlung das Wahlgesetz und nimmt theils aus ungeschicklichkeit, theils aus unverstand die radicalsten Bestimmungen an. ich besuche die sitzungen sehr wenig und nehme auch an den Abstimmungen nur selten Antheil. Meine Aufmerksamkeit ist jetzt lediglich jener großen frage zugewendet, und diese entscheidet sich nicht, wenigstens nicht vorwiegend, in der Paulskirche. in hannover hat die deutsche Partey, welche die sofortige Publicirung der grundrechte forderte, gesiegt, und das ministerium stüve ist abgetreten.1 1 das entlassungsgesuch des ministeriums wurde abgelehnt, dagegen kurz darauf die kam- mer aufgelöst.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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