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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 227 -
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2273. März 1849 die sogenannte österreichische Partey hier immer mehr alle Achtung, vor Allen andern schmerling, seine Zweideutigkeit in Allem und Jedem, der unwürdige ton der frankfurter Zeitung, seines eingestandenen organes, endlich der neuliche schmäliche versuch, gagern mit dem erzherzoge zu entzweyen, und wobey sich letzterer allerdings wieder jämmerlich benom- men hat; indessen läuft Schmerling beym Erzherzog täglich aus und ein, wäre ich minister, so hätte ich schon längst den riegel vorgeschoben. der erzherzog aber, wie Alle seines hauses, glaubt Jedem und vertraut nie- mandem. neulich war ich hier beym erzherzog stephan, auch noch immer der alte.1 in jener coalition aber will ein theil den andern dupiren, die linke er- hält ihren speck durch dieses Wahlgesetz 1. lesung und möchte nun des- sen 2. lesung vor der der verfassung (welche letztere der von den oester- reichern bedungene speck ist) durchsetzen, um dann durchkommen zu können. hübsches spinnen von parlamentarischer geschichte. [frankfurt 3. märz] ich habe mit graf lerchenfeld in diesen tagen viel gesprochen und sollte heute, 3. märz, bey gagern mit ihm essen, diese Bayern gehen noch viel weiter und wollen nicht einmal ein directorium von 3, sondern von 11, we- nigstens von 7, etc. dabey aber sagen sie selbst, daß sie aus dem engeren Bunde nicht draußen bleiben können, ihrer rhein- und fränkischen Provin- zen wegen, was mir eigentlich nicht ganz lieb ist, sie wollen aber, sowie alle Andern, eine deutsche nationalversammlung. nun ja freilich, und eben da liegt der knoten, den man in olmütz nicht sehen will. Wäre der erzherzog kein so jammervolles subject, so hätte er jetzt die initiative zu ergreifen. gagern spricht davon, abzutreten und es der coalition, welche nun die mehrheit gegen ihn bildet, zu überlassen, ein ministerium zu bilden. da stünden dann allerdings die ochsen am Berge. gagern würde dann an die spitze der sogenannten kaiserlichen, oder Weidenbuschparthey2 treten, welche eine compacte minorität von circa 230 bildet, während die coalition 250 stimmen zählt. die eine hälfte aus der linken, die andere aus den oe- sterreichern, Bayern etc. bestehend. Andrian stimmte in beiden fällen mit der minderheit. An der Abstimmung über die direkte Wahl, die mit 264 gegen 202 stimmen angenommen wurde, nahm Andrian nicht mehr teil, er scheint unter den entschuldigten Abwesenden auf. 1 erzherzog stefan war am 25.9.1848 als Palatin von ungarn zurückgetreten und auf seine Besitzung schaumburg, ca. 50 km nordwestlich von frankfurt, übersiedelt. Wegen seiner rolle in ungarn beim hof in ungnade gefallen, kehrte er nur ein einziges mal zur taufe des thronfolgers erzherzog rudolf 1858 nach österreich zurück. 2 nach ihrem versammlungsort, dem gasthof zum Weidenbusch in frankfurt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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