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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 229 -
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2295. März 1849 liberaler vor märz 1848, sah ich schon am 14., daß wir zu weit getrieben worden waren und wieder halben Weg zurück müßten, und das denke und will ich noch heute, wir sind in oesterreich weder für eine volle Preßfreiheit noch für den eigentlichen constitutionalismus (wenn dieser überhaupt bey uns jemals möglich seyn wird) reif, unser Bedürfniß ist selfgovernment, provinzielle selbstständigkeit und vereinigte Ausschüsse, vor Allem aber Bildung und heranreifung des nationalcharacters. Auch das unsinnige in- stitut der nationalgarden paßt für uns noch weniger als für Andere. klarheit der Anschauung, consequenz in meinen überzeugungen und feste entschlossenheit, ja rücksichtslosigkeit in ihrer durchführung, in diesen eigenschaften glaube ich keinem nachzustehen, und unter denen wenigstens, die seit einem Jahre mit mir in Berührung gekommen sind, glaube ich wenigstens rücksichtlich der beyden ersteren niemand gefun- den zu haben, der mir darin gleichkäme. Beynahe dasselbe getraue ich mich hinsichtlich meines practischen sinnes und der geschäftsgewandt- heit zu behaupten, in welcher Beziehung mir meine lange bureaukrati- sche carrière und besonders der umstand zu gute kömmt, daß ich einem großen staate angehöre, in welchem allein man einen großartigeren über- blick über die geschäfte sich aneignen kann. in hinsicht auf äußere hal- tung, auf den unentbehrlichen charlatanismus des staatsmannes, glaube ich in diesem Jahre, welches mich in so viele verschiedene Positionen ge- bracht hat, viel gewonnen zu haben, während mir noch immer viel zu ler- nen übrig bleibt. der tändelnde, hausbackene beynahe triviale genre des früheren oesterreicherthums erfordert einige Zeit, um ganz abgestreift zu werden. Parlamentarisches talent habe ich mir, wenigstens bis jetzt, weniger gefunden, als ich gedacht hatte, vielleicht findet sich dieses, wenn der zün- dende Funke der Begeisterung sich einfindet, wovon in diesen deutschen Angelegenheiten bey mir nie eine spur da war. Auch fehlt mir der eiserne fleiß und die beharrliche insistenz und verläugnung aller früheren ge- wohnheiten, vor Allem aber das intriguentalent, um ein Parteiführer zu werden. endlich geht mir bis nun noch eine wichtige eigenschaft ab, und das ist die fortwährende, vollendete herrschaft über mich selbst. die lei- denschaftlichkeit, die unfähigkeit einen Widerspruch zu ertragen, bricht noch zu häufig durch, obwol ich auch da in letzterer Zeit viel gewonnen zu haben glaube, kurz ich bin mir in manchen dingen noch zu jung. – – das hauptfacit von Allem dem ist noch immer, wie es seit jeher meine überzeu- sequent geblieben bin […] mein Wort ist wie gold, und mein nahme von der ganzen Welt, von allen Partheyen geachtet.“ (Andrian an seine Schwester Gabriele, 8.3.1849; K. 114, umschlag 662).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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