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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 236 -
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Tagebücher236 spruch genommen, mich sitzen lassen, so hatte mir z.B. gagern eine Aus- arbeitung über die zukünftige unions- oder Bundesakte zwischen uns und deutschland versprochen, auf die ich noch immer vergebens warte. indessen hört man hier die verschiedensten gerüchte: von einer preußischen note, worin jene regierung den österreichischen Antrag vom 9. dieses monats zu dem ihrigen macht. dann wieder von der sprengung der nationalversamm- lung durch österreichische und preußische truppen etc. ich halte Beydes für gleich unwahr, und doch fürchte ich, daß etwas im Werke ist. hübner, von dem ich überhaupt nichts gutes erwarte, hat vor ein paar tagen eine sen- dung erhalten, aus der man mir ein geheimniß macht, ich muß trachten, ih- ren Zweck irgendwie zu erfahren.1 überhaupt kümmern sich im ministerium eigentlich nur schwarzenberg und Bruck (und auch letzterer, wie mir scheint, nur als eine Art echo des ersteren) um die deutsche frage, und diese Beyden sind so fest, ja ich möchte sagen leidenschaftlich bey ihren Ansichten, daß es unmöglich ist, sie durch raisonnement davon abzubringen, besonders da die Argumente, welche ich gegen sie anwenden kann, sich hauptsächlich auf die stärke des einheitsdranges in deutschland und der nationalversammlung, insoferne sie diesen repraesentirt, und auf die schwäche der regierungen stützen, an welche beyde sie nicht glauben. es ist nicht Abneigung gegen Preußen, sondern gegen frankfurt und die durch frankfurt ihrer Ansicht nach repraesentirte und perpetuirte revolution, welche die minister leitet. ich werde daher mit meinen ideen erst dann durchgreifen können, wenn, wie ich glaube bald geschehen wird, die Zurückweisung des österreichischen Planes vom 9. durch die regierungen dem hiesigen cabinette die Wahrheit meiner Argumente gezeigt und es von der nothwendigkeit überzeugt haben wird, in einer oder der anderen form auf die idee des engeren und weiteren Bundes zurückzukommen. dieser moment scheint auch in vollem Anzuge, in hanover hat stüve sich so eben ungefähr in diesem sinne ausgesprochen, auch in Bayern will man, wie mir längst klar war, nur bis auf einen gewissen Punkt mit oesterreich gehen, und wenn man in sachsen die jetzigen stupid radicalen Kammern auflöst (was nächstens geschehen muß), so wird eine conservativere, aber auch ebendeßhalb deutschere kammer folgen. oester- reich wird sich in folge des verfehlten schrittes vom 9. auf einmahl isolirt finden und am Ende noch um dasjenige negociiren müssen, was es noch vor 14 tagen hätte fordern können. so sehe ich die dinge an. übrigens ist gar kein Zweifel, daß diese ganze frage für uns zwar eine sehr wichtige, aber dennoch vergleichungsweise nur eine secundaire ist. 1 frh. Alexander v. hübner war in außerordentlicher mission nach Paris entsandt worden. seine entscheidende Aufgabe war es, die neutralität frankreichs im italienischen krieg sicherzustellen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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