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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 237 -
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23726. März 1849 das ist auch die ursache, weßhalb ich mich ruhig verhalte und abwarte, bleibe ich hier, so will ich trachten, mich für den österreichischen Provin- ziallandtag, welcher bald berufen werden dürfte, wählen zu lassen, am liebsten wäre mir freilich eine officielle Stellung, in welcher ich in der mir liebsten Weise, von oben herab, wirken könnte. ohnehin beneide ich die minister, daß es ihnen vergönnt ist, oesterreich de fond en comble zu reor- ganisiren, wie es mein traum war, und daß mein nahme nicht unter den gesetzen steht, welche ins leben treten zu sehen ich so lange gewünscht habe, es aber noch vor 1 1/2 Jahren beynahe für eine chimäre hielt! [Wien] 26. märz es ist gekommen, wie ich es vorausgesagt hatte, der Welckersche Antrag und alle minoritätsgutachten etc. sind verworfen, dagegen aber beschlos- sen worden, die 2. lesung ohne discussion, bloß durch einfache Abstim- mung über jeden einzelnen Paragraphen vorzunehmen, das kapitel vom reichsoberhaupte aber zuletzt zu lassen. gagern hat eine sehr schwache und Riesser eine magnifique Rede zu Gunsten des Welckerschen Antrages gehalten, beyde ohne erfolg. gagern und das ganze ministerium haben nun ihre Entlassung genommen, was ich sehr unpassend finde, die Folge wird meiner Ansicht nach eine 14tägige ministerkrisis und hierauf der Wieder- eintritt gagerns seyn, die Parteyen scheinen im höchsten grade gereizt zu seyn, und ich bin froh, von frankfurt weg zu seyn, denn die debatten sowol in der Paulskirche als in der Presse richten sich nun immer persönlich an die oesterreichischen Abgeordneten, man fordert ihren Austritt, da oe- sterreich durch seine verfassung vom 4. dieses monats den Bundesvertrag von 1815 zerrissen habe etc. etc. Würth und Arneth haben auch schon ihr mandat niedergelegt, was ich nicht billige, aber begreife. schmerling will nun seit der verwerfung des Welckerschen Antrages wieder bleiben – wie inconsequent! da er ja seine entlassung nahm nicht wegen dieses Antrags, der erst am tage darnach gestellt wurde, sondern sobald er die nachricht von der österreichischen verfassung erhielt. doch glaube ich, daß man hier froh seyn wird ihn los geworden zu seyn. Am 23. hat man nun mit der 2. lesung begonnen und den famosen § 2 mit 1 stimme (!!) majorität verworfen, doch war darüber die discussion noch nicht zu ende, als die telegraphische depesche abging.1 Auch in Berlin soll das ministerium Brandenburg abgetreten seyn, weil es in der Amne- stiefrage in der minorität geblieben war.2 confusion in allen ecken. die 1 tatsächlich wurde dieser Punkt: „kein theil des deutschen reiches darf mit nichtdeut- schen ländern zu einem staate vereinigt sein“ mit 266 zu 265 stimmen abgelehnt. 2 diese information erwies sich als falsch.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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