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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 238 -
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Tagebücher238 österreichische Partey in frankfurt ist in verbindung der linken wirklich stark genug, um jetzt bey der 2. lesung die ganze verfassung zu vereiteln – und was dann? ich sehe keinen Ausweg als einen gewaltsamen, wenn die österreichische regierung nicht entweder in dem Punkte des volkshauses nachgibt (was sie nicht kann) oder ihren nichteintritt in diesen engeren Bund erklärt. dann muß aber eine 3. lesung erfolgen, an der die öster- reichischen Abgeordneten keinen Antheil nehmen, sondern ihre Wirksam- keit bis zur Berathung der unions- respective neuen Bundesakte suspendi- ren. radetzky ist bereits siegreich in Piemont eingerückt und hat mortara und novara genommen, glück auf, mein feldherr, er marschirt jetzt auf turin. dagegen gehen die dinge in ungarn schlecht. kossuth verstärkt sich täglich. Bem hat die russen aus hermannstadt hinausgeworfen und wüthet kannibalisch in dem armen siebenbürgen. Windischgrätz begeht dummheiten und hat schlechte generale, der schlechteste ist lato Wrbna, das einstige k.k. genie. hübners sendung geht nach Paris. übrigens langweile ich mich hier, denn ich habe nichts zu thun, die leute, die ich sehe (z.B. im casino, wo ich aber weniger als sonst hingehe, obwol ne sachant ou aller noch immer mehr, als ich wollte und vielleicht sollte), sind so dumm wie sonst und schwadronniren zum entsetzen, ich fühle mich déplacirt und désœuvrirt. Breuner war in olmütz und ist dort nicht empfangen worden! Also noch immer die alten märzlichen rancunes! das ist zu dumm, ich will in diesen tagen dahin gehen und bin neugierig, wie ich werde empfangen werden. [Wien] 30. märz vormittags ich war in olmütz und bin, wie Breuner, nicht empfangen worden. vor- gestern Abends fuhr ich hin, kam gestern morgens an und ging gegen 10 uhr zu grünne, welcher mir sagte, er müsse es vorher seiner majestät melden, und ich möchte des Abends anfragen, schon dieses war bey dem sonstigen mangel an etikette, welcher in olmütz herrscht, eine vorbedeu- tung, als ich nachmittags zu grünne ging, sagte er mir, er müsse mir zu seinem großen Bedauern eröffnen, daß der kaiser mich nicht sehen wolle, da ich schon ziemlich darauf vorbereitet war (nach Breuners vorgang und dem empfange von diesem morgen), so antwortete ich ganz ruhig, ich bäthe ihn, seiner majestät zu sagen, daß ich hoffte, daß seine majestät von ih- rer meinung über mich zurückkommen und mich ein andermal empfangen würden, und daß ich die überzeugung hege, daß dieses binnen sehr kurzer Zeit geschehen werde, indem ich mich durchaus frey von jedem vorwurfe wüßte. ich sah dann den kaiser im theater, wo ich eine loge der seinigen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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