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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 244 -
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Tagebücher244 schickte zögernde negative Politik schwarzenbergs und sein unausführba- rer unpopulärer vorschlag vom 9. märz verschuldet, unsere minister haben den könig von Preußen zum kaiser gemacht. das habe ich ihnen auch ge- sagt. sie haben jetzt die österreichischen Abgeordneten zurückberufen, was abermals ein Fehler ist, und ich zweifle noch, ob diese sich diesem Befehle fügen werden.1 sie sind hier voll gift und galle und rechnen auf den na- hen Zerfall der nationalversammlung (rechberg, welcher vorgestern ab- ging, um schmerling zu ersetzen, sagte mir, er ginge zur leichenfeier der nationalversammlung), während ich nicht daran denke, es wäre denn, die nationalversammlung wäre so übel berathen, den Principienstreit wegen der vereinbarung durchfechten zu wollen. Jochmus hat an rothschild hieher einen langen Brief in diesem sinne mit dem Auftrage geschrieben, ihn mir mitzutheilen, ich habe ihn stadion gegeben. Aber wem nicht zu rathen ist, dem ist nicht zu helfen. in ungarn ein paar glückliche gefechte, aber nichts entscheidendes, in Brescia war ein blutiger Aufstand, welchen haynau durch ein Blutbad er- stickt hat. gegen das hundevolk der italiener muß radical verfahren wer- den, kann man es nicht mit stumpf und stiel ausrotten, so würde ich mili- tärkolonieen anlegen und aus der lombardie eine militärgrenze machen. [Wien] 13. April Wegen der osterwochen haben sowol die kammern in Berlin als die natio- nalversammlung ferien, daher in der deutschen frage kein schritt gesche- hen ist, jedoch scheint man in frankfurt energisch an der endgültigkeit der votirten verfassung festhalten zu wollen, was ich sehr beklage, da dieses allerdings zur Auflösung der Nationalversammlung führen könnte, es ist wieder ein Beweis des unpraktischen sinnes dieser versammlung, gagern an der spitze, daß sie einem (irrigen) Principe zu liebe an einer verfassung festhält, welche der majorität selber nicht genehm ist. schwarzenberg hat nun offen mit der nationalversammlung gebrochen und erklärt, daß er sie als nicht mehr bestehend ansehe, da sie durch die einseitige Publication der verfassung und den Permanenzbeschluß den rechtsboden verlassen habe,2 mich dünkt, dieses rechtsmittel geht weiter 1 Am 5.4.1849 hatte die regierung erklärt, die Abgeordneten hätten „ihre sendung, in folge des schlusses der Berathung über das verfassungswerk, als beendet zu betrachten und so- fort in ihre heimath zurückzukehren, da ihre fernere theilnahme an einer versammlung, welche […] den Boden des rechtes und des gesetzes verlassen hat, durchaus nicht mehr stattfinden kann.“ Darauf traten am 13. April 22 Abgeordnete „in Uebereinstimmung mit unserer regierung“ zurück. Weitere resignationen folgten in den folgenden tagen, meist unter Berufung auf diese erklärung. 2 Andrian bezieht sich wohl auf das schreiben vom 5. April 1849 (vgl. oben), in dem die
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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