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April 1849
als die verletzung von seiten der nationalversammlung ging, und er habe
dadurch ebenso wie durch die Abberufung der österreichischen Abgeordne-
ten gerade so gut als die nationalversammlung den legalen Boden verlas-
sen. dieses sagte ich ihm vorgestern in einer ziemlich langen unterredung,
die ich mit ihm hatte, der dritten, welche ich seit meinem hierseyn mit ihm
hatte, und worin ich es zum letztenmale versuchen wollte, ihn zu meinen
Ansichten zu bekehren, umsonst, jedoch gibt er, wie er es auch in seiner
letzten note an schmerling vom 5. that, jetzt schon die möglichkeit eines
engeren Bundesstaates, den er früher so sehr perhorrescirte, zu. diese
letzte note klingt beynahe wie ein fügen in das unvermeidliche, übrigens
erklärt er, hierin ganz consequent, den von Preußen provocirten vereinba-
rungscongress in frankfurt nicht beschicken, sondern für oesterreich an
den verträgen von 1815 festhalten zu wollen, aber wieder ohne eine einzige
positive idee auszusprechen, wie dieses zu geschehen hätte, die schlappe
wäre also so ziemlich eingestanden, und das Wüthen gegen die national-
versammlung soll als Palliativ dienen.
minder geschickt aber ist die Abrufung der oesterreicher (welche ich zu-
gleich als illegal ansehe), ich habe mich aber wohl gehütet, das unpolitische
dieses Schrittes zu berühren, da er vortrefflich in meine Pläne paßt, weil
dadurch die coalition und somit die macht der linken gesprengt wird, ich
fürchte nur, daß viele dieser Abberufung keine folge leisten werden. Jetzt
müßte aber von Preußen und von der nationalversammlung selbst dagegen
gewirkt werden, daß nicht auch andere staaten (Bayern etwa ausgenom-
men, da dieses dem Bundesstaate ohnehin schwerlich jetzt schon beitreten
wird) oesterreichs Beyspiele folgen.
übrigens habe ich mich in dieser unterredung überzeugt, wie weit schwar-
zenberg und ich von einander abstehen, ein Zusammengehen ist für uns ein
für allemale unmöglich, auch habe ich erfahren, daß er es war, der dem kaiser
rieth, mich nicht zu empfangen, da an ihn deßhalb von olmütz aus telegra-
phirt wurde, bey einem so gescheidten Menschen ist mir dieses unbegreiflich.
österreichische regierung nicht nur die Abgeordneten abberief, sondern erklärte, dass
öster
reich „für den Augenblick an einem Bundesstaate, wie die Beschlüsse der national-
versammlung ihn zu schaffen beabsichtigen, obgleich mit vorbehalt der rechte, welche
die geschichte und die verträge ihm sichern, theil zu nehmen micht vermag, so wird es
nichts destoweniger fortfahren, an den schicksalen seiner alten Bundesgenossen aufrich-
tigen Antheil zu nehmen, und diesen Antheil bei dem eintritte veränderter verhältnisse
stets mit freuden zu bethätigen bereit sein“ und auf die Antwort auf die preußische Zirku-
lardepesche v. 3. April, wonach die nationalversammlung nicht mehr bestehe und daher
auch „weder auf Anordnungen hinsichtlich einer neu zu bildenden Centralgewalt Einfluß
üben, noch einen Antheil an verhandlungen zum Behufe einer vereinbarung über das von
ihr selbst für abgeschlossen erklärte verfassungswerk nehmen“ könne.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Band II
- Titel
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Untertitel
- Tagebücher 1839–1858
- Band
- II
- Autor
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Herausgeber
- Franz Adlgasser
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2011
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Schlagwörter
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Kategorie
- Biographien