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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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24722. April 1849 hat eine energische Adresse an das hiesige cabinet gerichtet, worin die nothwendigkeit einer positiven erklärung und zugleich die eines volks- hauses ausgesprochen wird. schmerling, der diese Adresse mitunterzeich- nete, soll noch nebst dem einen Protest gegen die letzten maßregeln des mi- nisteriums seit dem 4. vorigen monats hieher eingeschickt haben. er tappt noch immer in seiner früheren unklarheit herum und scheint nun plötzlich sich auf den liberalen und germanen spielen zu wollen, in der hoffnung, sich dadurch hier eine Zukunft zu bereiten, was meiner Ansicht nach eine totale unkenntniß des hiesigen terrains beweist. Windischgrätz ist abberufen und Welden sein nachfolger, große ver- stärkungen marschiren von allen seiten nach ungarn, wo die insurgenten dicht vor Pesth stehen und görgey bis gegen comorn streift. reservekorps werden in oesterreich, steyermark und Böhmen errichtet, 40.000 russen marschiren nach siebenbürgen, kurz die ungarische tragödie geht zu ende, aber um welchen Preis?1 Auch in italien geht es vielleicht wieder los, denn Piemont scheint wieder das alte spiel des hinhaltens und der falschheit beginnen zu wollen. da stadion jetzt in Baden sitzt, so weiß ich noch immer nicht, ob und was aus mir wird, ist es nichts (was vielleicht für mich das Beste wäre), so setze ich mich, sobald das Wetter besser wird, wohin aufs land hier in der nähe und bringe den sommer in einsamkeit und studiren zu und bereite mich auf die Zukunft und den reichstag vor, ich fühle es, daß ich des studiums und der ruhigen Reflection bedarf, um mich vollends zu der Rolle auszubil- den, die ich spielen will und muß. [Wien] 22. April es war mir seit lange nicht so unbehaglich zu muthe wie jetzt, so ganz ohne Beschäftigung und Bedeutung zu seyn, ist nicht nur meinem Bedürfnisse nach thätigkeit, sondern auch, um es offen heraus zu sagen, meiner eigen- liebe fast unerträglich, und Beydes ist mir jetzt doppelt fühlbar, da ich in letzter Zeit in der einen wie in der andern hinsicht verwöhnt worden bin. nicht nur ist gerade jetzt gar keine Arena, kein feld unabhängiger thä- tigkeit und politischer Bedeutung offen, sondern ich komme mir auch bey- nahe vor wie ein verschollener. Alles um mich herum ist ultrakonservativ geworden und lechzt nach nichts als nach ruhe. die einzige eigenschaft, 1 der kaiserliche Befehl zum Wechsel im oberkommando der Armee in ungarn und sieben- bürgen war mit 12.4.1849 datiert. Am 4. bzw. 6.4.1849 hatte ministerpräsident fürst felix schwarzenberg über die diplomatischen vertreter in Wien und st. Petersburg um russi- schen einmarsch in siebenbürgen ersucht und am 14. April die russischen Bedingungen akzeptiert, das offizielle Interventionsgesuch des Kaisers erfolgte jedoch erst am 1. Mai und wurde am selben tag in der Wiener Zeitung veröffentlicht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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