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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 248 -
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Tagebücher248 die man jetzt will, ist eine eiserne faust und eine knute. daher ist auch von Allen, die die makel auf sich haben, in frankfurt, diesem Abgrunde der revolution (!!) gewesen zu seyn, schmerling der einzige, welcher in erin- nerung an den 18. September Gnade vor den Augen dieser Leute findet.1 dazu kommt noch, daß die Aristokratie, mit welcher ich denn doch einmahl zu leben verdammt bin (obwohl ich jetzt noch einsamer als in den letzten Jahren lebe und selbst das unentbehrliche casino sowenig als nur möglich besuche), mich mehr als jemals anfeindet und mir dieses auf eine Art zu fühlen gibt, daß ich mir dafür keine satisfaction nehmen kann, obwol ich nicht übel lust habe, einmal eine gelegenheit vom Zaune zu brechen, wenn auch nur, um mich von jedem verdachte zu großer langmuth zu reinigen. Anderseits aber möchte ich nicht in ein evidentermaßen politisches duell verwickelt werden, weil ich dabey unter den gegenwärtigen verhältnissen und bey der jetzt herrschenden stimmung und intoleranz alle nachtheile auf meiner seite hätte. das Wetter ist scheußlich, wie mitten im Winter, wie es besser wird, so möchte ich, wenn ich bis dahin keinen annehmbaren Antrag bekomme (stadion ist noch immer abwesend), wohin aufs land. Aber auch da gibt es mehrere nisi, erstlich weiß ich nicht, ob ich die gemüthsruhe besitzen werde, mich so ganz procul negotiis hinzusetzen und mir in völliger ein- samkeit selbst zu genügen, dann aber ist auch noch das zu berücksichtigen, daß ich, gerade weil ich so quasi vergessen bin, mich nicht jetzt wieder auf längere Zeit absentiren darf, wenn ich Anspruch mache, bey den nächsten landtagswahlen aufzutreten. ich muß also einen mittelweg einschlagen. Am ende glaube ich, daß ich am besten gethan hätte, wenn ich dem all- gemeinen Rufe folgend Gräfinn Bergen geheirathet hätte, wenn sie mich nämlich gewollt hätte, woran ich zweifle. Das wäre doch eine angemessene Beschäftigung für diesen sommer gewesen. die ungarn sind in neutra und haben, für den Augenblick wenigstens, comorn entsetzt!! de mal en pis. diese unfälle sind lauter triumphe eben- sogut für die altmagyarische, d.i. Anticentralisationspartey, wie für die kossuthianer. lord Ponsonby ist plötzlich abgereist, auf urlaub, was viel Aufsehen erregt hat, ich denke ganz einfach, weil man keinen Botschafter mehr hier halten will, da colloredo nur gesandter ist. Palmerston intri- guirt übrigens wieder mit seiner alten Perfidie gegen uns in Italien, doch steht sein fall vor der thüre. Aus frankfurt wenig neues, 34 Abgeordnete sind in folge der österreichischen Aufforderung ausgetreten, die andern, darunter schmerling und die linke haben gegen diese Aufforderung prote- stirt, jedoch höre ich, daß er und einige Andere jetzt dennoch kommen. 1 gemeint ist die niederschlagung des frankfurter Aufstands am 18.9.1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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