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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 249 -
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24927. April 1849 [Wien] 27. April Alle Blicke sind jetzt auf ungarn gerichtet, einen tag lang war hier ein pa- nischer schrecken, und viele sahen györgey schon in oder doch vor Wien. Pesth ist geräumt worden, und Welden concentrirt seine ganze macht bey raab. comorn’s fall ist entfernter als je, denn die insurgenten haben fri- sche Besatzung und Proviant hineingeworfen. dazu kömmt die herannah- ende warme Jahreszeit, in welcher die gegend bey comorn und ganz süd- ungarn für unsere truppen tödtlich ist. die russen sind endlich gerufen worden und rücken mit starker macht ein. Zugleich werden reservekorps am marchfelde und bey Pettau errichtet. es gilt den entscheidenden kampf um oesterreichs einheit, und darum bin ich so ängstlich um den Ausgang besorgt, denn bloß militairisch genommen müssen wir, ob nun früher oder später, siegen, ich fürchte hauptsächlich die insinuationen der conservati- ven magyarischen Partey, welche von den russen (denen ein starkes ein- heitliches oesterreich nicht genehm seyn kann) unterstützt werden dürf- ten. der friede mit Piemont ist noch immer nicht geschlossen, sie sind in dem einzigen Punkte, um den es sich handelt, in dem der entschädigungsgel- der, sehr zähe, da sie ja selbst durch die Anstrengungen des krieges bey- nahe bankerott geworden sind. venedigs fall erwartet man täglich sowie die contrerevolution in rom, in toskana ist sie bereits erfolgt. Wenn nun dieß zu ende ist, fangen für uns die schwierigkeiten erst an, kann man den Ausnahmszustand in italien noch lange fortdauern lassen? und anderseits, können wir dort Preßfreiheit, constitution etc. geben, ohne daß diese Waf- fen augenblicklich gegen uns gekehrt werden? ich sehe nur die Alternative: fortwährende militairherrschaft oder gewaltsame germanisirung (recte Austriacisirung) durch großartige Confiscationen etc. die Popularität des ministeriums (welche nie groß war) hat durch die unfälle in ungarn und durch mehrere andere dinge, z.B. mehrere harte maßregeln des Belagerungszustandes etc. etc. sehr gelitten, namentlich schwarzenberg und nach ihm Bach, den die radicalen als einen renegaten ihrer Partey ansehen. schmerling, der noch nicht zurück ist, hat eine große Popularität bey beyden Parteyen, er wird also wahrscheinlich der nächste seyn, der sich abnützen wird, und bey ihm wird dieser Proceß wahrschein- lich schneller erfolgen als bey vielen anderen, indem er alle eigenschaften besitzt, um sich schnell und gründlich verhaßt zu machen. unsere frankfurter Abgeordneten kommen nach und nach zurück, und bald wird nur etwa ein dutzend desperadoes den österreichischen namen in der Paulskirche vertreten, ich behalte mein mandat einstweilen in der tasche, aus der ich es wohl nie wieder hervorholen werde, jedoch will ich dadurch stillschweigend gegen die legalität der Abberufung einsprache
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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