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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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2513. Mai 1849 mann beysammen, unabhängig davon operirt Jellachich mit Puchner, ca- stiglione etc. im Banat, und Benedek kommt aus galizien. ganz ungarn steht auf, der enthusiasmus ist groß, der von den slaven entthronte könig ferdinand ist ihre losung, das volk im ernste, die führer exploitiren es. und merkwürdig genug, auch in Böhmen, wo die czechischen führer mäch- tig gegen die octroyirte verfassung agitiren (in einem solchen momente ist dieß fast ein hochverrath), werden ähnliche stimmungen laut und daher auch die sympathieen für die ungarn!! o menschliche verblendung! Wenn nur die russen bald kämen, darüber erfährt man aber nichts bestimm- tes, daß sie kommen, ist gewiß. in ungarn haben sich nach und nach über 20.000 Polen eingefunden, so daß es ein krieg der polnischen Propaganda geworden ist. ich besorge, daß sowol die Abdication als die octroyirung, wie es mein erster gedanke war, zur unrechten Zeit geschahen, man hätte ungarn erst bezwingen sollen. kaiser franz Joseph, der unter solchen Aus- picien anfängt, wird mühe haben, sich den nimbus und die liebe eines le- gitimen herrschers zu erwerben, und in oesterreich ist dieses bedenklicher als anderswo. der könig von Würtemberg hat nachgegeben und die reichsverfassung angenommen, dagegen hat Bayern sie abgelehnt und hält an den bereits vor der 2. lesung vorgeschlagenen Abänderungen (darunter das directo- rium) fest.1 in Preußen ist die 2. kammer aufgelöst, die 1. vertagt worden. in Bayern fängt die Agitation zu gunsten der Anerkennung der verfas- sung und für sofortige einberufung des landtages an, es ist ganz unmög- lich vorherzusagen, was aus dem Zeuge werden wird, wenn sich die natio- nalversammlung nicht zu einer 3. lesung und nahmhaften Änderungen entschließt, oder aber eine revolution in Preußen den könig oder seinen nachfolger zur Annahme nöthigt. [Wien] 3. may die russen sind in vollem einmarsche, in siebenbürgen sind sie schon von 3 seiten, 60.000 mann stark eingerückt, ebenso in galizien, von wo wei- tere 80.000 mann kommen sollen, vom 6. bis 10. werden sie auf der eisen- bahn von krakau bis hradisch transportirt werden. von uns marschiren reserven etc. von allen seiten hinein, kurz es wird jetzt hoffentlich zu ende kommen. der sogenannte reichstag in debreczin hat das haus habsburg- 1 in der bayerischen note vom 23.4.1849 hieß es, man habe „niemals anerkannt, daß der nach frankfurt a.m. berufenen nationalversammlung das recht zustehe, die deutsche ver- fassung einseitig ohne Zustimmung der regierungen festzustellen“ und könne daher „der reichsverfassung, wie sie von der nationalversammlung in zweiter lesung beschlossen worden ist, und der darauf gestützten Wahl eines erbkaisers ihre Zustimmung nicht er- theilen.“ Württemberg dagegen hatte der verfassung am 25. April zugestimmt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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