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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 254 -
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Tagebücher254 noch nicht geantwortet, vielleicht ist er nicht in frankfurt, das thäte mir leid, denn ich schrieb ihm, damit er es dort weiter gebe und die leute von ihrer stupiden halsstörrigkeit zurückzubringen suche, nun muß ich wieder nach frankfurt schreiben, und die leute von ihrer furcht einer bewaff- neten intervention oesterreichs und rußlands zu beruhigen [sic], welche dort Boden zu gewinnen scheint. oesterreich wird auch nach der Bezwin- gung ungarns an eine solche unternehmung (gegen welche sich auch die öffentliche meinung der deutschen Provinzen sträuben würde) nicht den- ken können, und rußland fürchte ich nicht. es dürfte nun wahrscheinlich in süddeutschland zu einer revolution kommen, die das ende vom liede seyn wird, dann wird die octroyirung im sinne Preußens kommen. gagern, höre ich, ist wie besessen und schwärmt für die Prinzessinn von Preußen, er ist ein narr. [Wien] 8. may in sachsen ist der tanz nun auch los gegangen, ein theil der minister, die für die Anerkennung der reichsverfassung waren, ist abgetreten, der könig hat die stadt verlassen, man baut Barricaden und kämpft nun seit 3 tagen, es ist preußischer succurs gekommen, und so werden die trup- pen wohl meister werden.1 man spricht von der Abdication des königs zu gunsten des Prinzen Albert, der in schleswig ist. in Bayern wird heftig für Anerkennung agitirt, am 15. treten die stände wieder zusammen, auch in hannover gährt es. Aus Berlin und frankfurt noch nichts neues. Aber bald muß es sich entscheiden und entweder frankfurt nachgeben, oder die regierungen sich über die zu oktroyirende verfassung einigen. das größte evénement hier ist die unvermuthete Ankunft des kaisers in schönbrunn am 5. früh, großer Jubel, am Abende war die stadt illumi- nirt. unzählige menschen strömen noch immer nach schönbrunn, um den kaiser zu sehen. Am 6. war Parade am glacis, worauf der kaiser unter endlosem Jubel durch die stadt ritt, so ist also das eis gebrochen, er bleibt nun ganz in schönbrunn und hat den oberbefehl über sämmtliche Arméen übernommen, er begibt sich nächstens auf ein paar tage nach Preßburg Wortführer bewiesen, daß sie nur in anderer richtung dieselben fehler haben: vergebens hat die geschichte bisher gezeigt, daß jede zu weit gehende Bewegung einen wenigstens theilweisen rückschritt zur folge hat, welcher um so schmerzlicher und verderblicher ist, je heftiger die Bewegung war, man verfiel in den Fehler aller Zeiten der Aufregung zurück, man glaubte den nicht wiederkehrenden Augenblick nicht genug benützen zu können, und hat so offenbar einen Weg eingeschlagen, der nur zu Anarchie und despotismus, niemals aber zu einer gesicherten entwicklung und Befestigung der freyheit führen wird.“ 1 Zur Bekämpfung des volksaufstands in dresden ersuchte die sächsische regierung am 3. mai 1849 um preußische hilfe, am 9. mai wurde der Aufstand niedergeschlagen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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