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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 269 -
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26921. Juni 1849 nige Jahre in dieser erzwungenen und mir fast unerträglichen muße fort- zuvegetiren, da ein Gegengewicht gegen jene Einflüsse zur Zeit nicht vor- handen ist. Wie soll ich nun für diesen fall mein leben einrichten? einen landbesitz, auf den ich mich zurückziehen könnte, wie es mir das liebste wäre, besitze ich leider nicht mehr, ebensowenig eine familie, und weder lust noch Beruf, eine zu gründen, so sehr ich auch das Angenehme und er- frischende einer geistreichen gesellschafterinn zu schätzen wüßte, ebenso- wenig irgend eine andere Beschäftigung, wie ich sie in meinem bisherigen leben stets und ohne unterbrechung gehabt habe, und selbst zum studiren fühle ich mich nicht mehr so aufgelegt wie sonst, seitdem das leben so ernst und practisch geworden ist. [Baden] 21. Juny ich fange an, von den Bädern, deren ich bis jetzt 9 genommen habe, einige Wirkung zu verspüren, nämlich eine unbehaglichkeit und steifheit in den gelenken, was mir die gewöhnliche Badecrisis zu seyn scheint, ich hoffe daher, daß das Bad seine Wirkung thun wird, sonst geht es mir ganz gut, mein leben ist immer dasselbe, d.h. sehr einförmig, doch ist es mir sehr angenehm, beynahe den ganzen tag im freyen zu seyn. umgang habe und suche ich wenig. Allegri, welcher auch die cur braucht, habe ich zufällig in diesen tagen viel gesehen, unser gespräch dreht sich natürlich um das österreichische italien, in welcher Beziehung meine Ansichten sehr bestimmt sind: Zerrei- ßung des lombardo venezianischen königreiches, dieser stupiden schöp- fung des Jahres 1815, und möglichste Austriaicisirung des venezianischen bis zum mincio, weil uns dieses immer und um jeden Preis bleiben muß. natürlich munden diese Ansichten Allegri nicht, werden sie aber vom mini- sterium getheilt, so würde ich gerne als gouverneur dahin gehen. das muß nun bald entschieden werden, denn der friede mit Piemont scheint endlich zustandezukommen, und abwegs kann sich venedig nur mehr wenige tage halten. dann aber muß das Provisorium und das säbelregiment aufhören, wiewohl Ausnahmszustände noch lange fortdauern müssen. Ancona ist von uns genommen, Toscana bereits pacificirt, nur Rom hält sich noch trotz der Anstrengungen der franzosen, ist auch dieser Punkt genommen, so hat der ganze wälsche rummel sein ende. Auch in ungarn geht es endlich los, wir drängen von Preßburg und tyrnau vorwärts und haben neutra genommen, und von dukla, wo kaiser nicolaus selbst war, sind die russen auf dem Wege nach eperies. Jellachich hat neusatz genommen, und so zieht sich endlich der kreis zusammen. gott gebe ein baldiges und glückliches ende und mache die entsetzlichen dummheiten gut, die da begangen worden sind, nicht nur von Windisch-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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