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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 270 -
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Tagebücher270 grätz, sondern mehr noch vom ministerium, das durch sein stillschweigen und seine ungeschicklichkeit das mißtrauen genährt und den glauben in ungarn erweckt hat, es handle sich um die vernichtung der magyarischen nationalität. in deutschland noch immer confusion und misère, ein reichsverweser und eine regentschaft, die sich verfolgen, und denen niemand gehorcht. übrigens sind die Preußen, hessen etc. in Baden und der Pfalz eingerückt, und so wird der tanz bald ein ende haben. in Berlin wird negociirt, die klei- neren staaten schließen sich allmälig dem preußischen Projekte an. Bay- ern unterhandelt in Wien und möchte sich gerne retten, umsonst, car son peuple lui forcera la main. schwarzenberg aber, immer machiavel in carri- catur, intriguirt nach allen seiten hin, sogar mit den radicalen in deutsch- land, nur um Alles zu hintertreiben, bis der Augenblick gekommen seyn werde (!), Alles auf den stand von 1847 zurückzuführen – pecus – daher war er auch gegen die Auflösung der Nationalversammlung, als ich sie von Bruck/m aus vorschlug.1 die stellung Prokesch’s in Berlin aber soll unhalt- bar geworden seyn. ich schrieb neulich an rotenhan, da er wahrscheinlich am 26. dieses monats zur gothaer versammlung geht, ausführlich meine Ansicht.2 Wenn man anstatt der einheitlichen vorstandschaft Preußens ein directorium erlangen könnte (ob man dieses noch kann? ist die frage, dank schwarzenberg etc.), so wäre das für oesterreich und selbst für deutsch- land bey dessen jetziger lage ein großer gewinn. in Paris war am 13. ein verunglückter versuch der rothen, wieder ein gewinn für uns.3 Bach’s neue gerichtsorganisation ist endlich erschienen, dunkel, man- gelhaft und verworren, was aber weit ärger ist, wieder, wie bey der zu ge- wärtigenden politischen organisation, eine horrende vermehrung der Bu- reaukratie und keine spur von selfgovernment durch friedensrichter etc., wo soll das hinaus?4 – – 1 vgl. dazu eintrag v. 22.5.1849. 2 die versammlung der liberalen der nationalversammlung vom 26.–28.6.1849 in gotha unterstützte das preußische unionsprojekt und damit den verfassungsentwurf vom 28. mai, da „die Zwecke, welche durch die reichsverfassung vom 28. märz erreicht werden sollten, höher [stehen] als das starre festhalten an der form, unter der man dieses Ziel anstrebte.“ 3 nachdem ein Antrag in der nationalversammlung, die intervention frankreichs gegen die römische republik für verfassungswidrig zu erklären, offensichtlich zu scheitern drohte, zog die linke am 12.6.1849 aus dem Parlament aus und rief am tag darauf zum Aufstand auf, der jedoch von regierungstreuen truppen niedergeschlagen wurde. 4 die grundzüge der neuen gerichtsverfassung wurden am 14.6.1849 erlassen. sie sahen eine völlige verstaatlichung des gerichtswesens mit den ebenen Bezirks-, landes-, ober- landesgericht und oberster gerichtshof vor. in den übergangsbestimmungen hieß es, „es
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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