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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 271 -
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27127. Juni 1849 übrigens ist die öffentliche Aufmerksamkeit jetzt fast ausschließlich auf die finanzfrage gerichtet. die entwerthung der Banknoten, das steigen der metallpreise, der mangel an scheidemünze, die immer ruinoser wer- denden Wechselcurse erregen großen schrecken. das finanzministerium hat commissionen niedergesetzt, und man spricht von Zwangsanlehen etc. Auch von ministercombinationen ist wieder die rede: Bach inneres, schmerling Justiz, kübeck finanzen. mit schmerling bin ich, seit er in Wien ist, wieder ganz guter freund. [Baden] 27. Juny in ungarn geht es vorwärts. Jellachich nach Zombor und theresiopel, Pas- kewitsch nach miskolcz und an die theiss, beyde wollen sich in debreczin vereinigen und die insurgenten von der theiß wegdrängen. Bem wird in siebenbürgen von clam und den russen beschäftigt. An der Waag und do- nau verhalten wir uns vor der hand ruhig, jedoch wurden die ungarn neu- lich, als sie bey szered durchbrechen wollten, glänzend geschlagen. haynau überläßt nun die Waag den russen und zieht sich südwärts gegen den Plat- tensee, weil man glaubt, daß görgey gegen fiume ausbrechen wolle. man hofft nun auf ein rasches und glückliches ende, und das macht, daß sich auch die geldverhältnisse seit einigen tagen etwas weniges bes- sern. Jedoch geschieht vom finanzministerium noch immer nichts. krauss wird lebhaft angegriffen, am lebhaftesten von Bruck’s organe, dem lloyd. unterstaatssekretär stifft ist ausgetreten. man wartet mit schmerzen auf den frieden mit Piemont und die kriegsentschädigung, doch wird diese ein tropfen ins meer seyn. römer hat zuerst die regentschaft, dann das rumpfparlament selbst mit militärgewalt aus stuttgart weggewiesen, es soll am 25. in carlsruhe zu- sammentreten, doch zweifelt man, daß eine hinreichende Anzahl, 100, sich dort einfinden werde,1 et ce qui vaut encore mieux, es werden bis dahin die wird vorzüglich darauf zu verwenden seyn, daß die einführung der neuen gerichtsverfas- sung ohne Störung des Ganges einer ordentlichen Rechtspflege in das Leben trete.“ Die ersten durchführungsverordnungen erschienen am 26. Juni, am selben tag wurden auch die grundzüge für die organisation der politischen verwaltungsbehörden erlassen. 1 in einem schreiben vom 17.6.1849 erklärte die stuttgarter regierung unter ministerprä- sident friedrich römer, die Arbeit von nationalversammlung und reichsregentschaft „in stuttgart und Württemberg nicht mehr länger dulden zu können“, nachdem ihre letzten Beschlüsse die „extremsten, die man fassen kann“ waren. sie wurden aufgefordert, ihren Sitz außerhalb Württembergs zu nehmen und jeden weiteren offiziellen Akt „schon jetzt“ zu unterlassen. der versuch der Abhaltung einer sitzung wurde am 18.6.1849 vom militär verhindert. in einem hotel in stuttgart hielt die nationalversammlung noch am selben tag ihre letzte nicht beschlussfähige sitzung (das Quorum von 100 Anwesenden wurde mit 98 nicht erreicht) ab, die vom Präsidium für 25. Juni nach karlsruhe einberufene nächste ver-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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