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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 273 -
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27330. Juni 1849 Auch über die finanzen ist endlich ein Patent erschienen. die Bank soll vom staate nicht mehr in Anspruch genommen werden. dagegen wird ihr die von Piemont zu erwartende entschädigung zugesichert, und sie soll – wann? wird erst später bestimmt werden – ihren fond durch hinausgabe neuer 50.000 Actien vermehren dürfen. einstweilen gibt der staat 25 mill. 3 % cassaanweisungen mit Zwangscurs aus, und ein freywilliges Anleihen von 60 millionen soll später eröffnet werden.1 die Banquiers und geldleute finden, daß hiedurch für den Augenblick nichts gethan sey als eine Vermeh- rung der schwebenden schuld um 25 millionen, und ärgern sich über die hinausschiebung der Anleihe, auf die sie schon seit monathen hindrängen, sie meinen, daß der staat durch die sich inzwischen täglich verschlechtern- den geldverhältnisse und kurse weit mehr verliere als durch die contra- hirung eines Anlehens zu einem geringeren curse, als es vielleicht (wenn wir in ungarn fertig sind) in einigen monathen der fall seyn dürfte, wäh- rend krauss der entgegengesetzten Ansicht ist. übrigens ist in allen diesen gesetzen an der constitutionellen form, sanction des künftigen reichstags etc. festgehalten. raab ist genommen, ich hoffe, es geht nun rasch zu ende, in ungarn zei- gen sich symptome einer contrerevolution, von fanatismus, wie Zeitungen und viele ungarn fabelten, keine spur. Auch carlsruhe und manheim ist genommen, die Badenser haben noch rastatt und freiburg, ist das genommen, so ist es aus. von einem ein- marsch unserer truppen nach constanz etc. scheint es wieder abgekom- men zu seyn. Preußen spielt schon de facto den Reichsvorstand, pacificirt in sachsen, Baden, Pfalz etc., unterhandelt in schleswig und ignorirt den reichsverweser und seine armseligen reichstruppen. ich bin nun auf go- tha neugierig, und wann der revisionsreichstag berufen werden wird? ein mémoire von fries über die künftige stellung der bisherigen do- minien in den neuen gemeinden circulirt und macht einiges Aufsehen, er will sie als fractionen und blos rücksichtlich des übertragenen Wirkungs- kreises, also der politischen Administration von der gemeinde abhängig hinstellen, das hat aber seine großen Bedenken. mein leben hier ist täglich dasselbe, um 9 bade ich, dann gehe ich spat- zieren und frühstücke, wenn das Wetter es erlaubt, im freien, meistens in der doblhoffschen meierey, dann gehe ich nachhause. um 2 wird wieder 1 Das kaiserliche Patent „womit finanzielle Maßregeln zur Bedeckung der Staatserfor- dernisse und herstellung der ordnung im geldwesen angeordnet werden“ erschien am 28.6.1849. darin wurde auch „bei der nunmehr zu erwartenden günstigen Aenderung der verhältnisse ohne Aufschub“ die Aufnahme einer freiwilligen Anleihe „unter den für den Staat und die Steuerpflichtigen möglichst vortheilhaften Bedingungen“ angekündigt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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