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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 278 -
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Tagebücher278 geben müssen, und dann ist der hauptschlag geführt, dennoch marschiren noch immer russische corps herein, da es einzelnen ungarischen trup- penabtheilungen dennoch gelingen dürfte und zum theile schon gelungen ist auszukommen, und diese daher verfolgt und gesprengt werden müs- sen. dagegen hält sich Jellachich nur mit mühe im südosten gegen Bems übermacht. nugent operirt vom Plattensee vor, und Jellachich soll nun von Pesth verstärkungen erhalten. in siebenbürgen rücken clam und die rus- sen rasch vor. man sagt, daß haynau, mit dem der kaiser unzufrieden ist, durch hess ersetzt werden soll. mit venedig will es durchaus nicht vorwärts gehen, und ebensowenig mit dem frieden mit sardinien. man spricht von Wiederaufnahme der feind- seligkeiten. Auch die geldverhältnisse bessern sich nicht. künftige Woche soll das Anlehen aufgelegt werden. die vervollständigung des cabinets ist die tagesfrage, scheint aber gro- ßen schwierigkeiten zu unterliegen, was ich bey den jetzigen verhältnissen sehr wohl begreife. gewiß ist, daß Bach, dessen stern sehr in Aufnahme ist, definitiv Minister des Innern wird, für die Justiz nennt man Schmerling und mitis, für den unterricht leo thun!, leopold neumann!! und Pipiz!!! – für den Ackerbau kleyle. on traîne des portefeuilles dans la boue. ich begreife, daß man aus liebe zur Macht gerne minister wird, eine Befrie- digung der eigenliebe kann es nach solchen vorgängen unmöglich mehr seyn. übrigens kann ich nach dem, was schmerling mir neulich hier sagte, kaum glauben, daß er es jetzt annimmt. Was mich betrifft, so bin ich so gründlich verschollen und vergessen, daß eine Absicht hierbey im spiele seyn muß und ist, worüber ich mich zugleich verwundere und freue. ich muß hier vieles hören, was mich ärgert und aufregt, nicht nur die beständige nervose Agitation der ungarn, welche über jeden unbedeuten- den echec oder mißlungenen versuch der kaiserlichen gleich Alles verloren geben oder auch (und deren gibt es manche) über eine Befriedigung ihrer nationaleitelkeit ihre wesentlichsten interessen und das letzte und sehr deutliche ende dieser ganzen geschichte vergessen, sondern auch, und mehr noch, die muthlosigkeit und das Zweifeln an der durchführbarkeit unserer, ja überhaupt jeder constitutionellen verfassung in oesterreich, welche man von vielen seiten her vernimmt, die ungarn halten in ihrem lande vor der hand nur den Absolutismus für möglich und wünschen ihn, um endlich ordnung zu haben, und leider kann man bey der Wendung, welche die dinge dort genommen haben, ihnen nicht viel erwiedern, die italiener freuen sich, daß eine centralisation, wie sie die verfassung vom 4. märz beabsichtigt, nicht möglich seyn soll, und hoffen mehr als je auf ein regno lombardoveneto mit bloßer Personalunion, Bureaukraten und vor- märzliche aller Art sind natürlich principiell gegen jede verfassung, und
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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