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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 284 -
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Tagebücher284 etwa 14 tage werde ich hier verweilen, länger halte ich es nicht aus, ist bis dahin nichts geschehen, oder werde ich, wie es gar leicht möglich ist, über- gangen, so gehe ich fort und werde mich irgendwo hier in der nähe auf dem lande etabliren, wo ich den nächsten landtag oder überhaupt günstigere Zeiten abzuwarten gedenke und dieses intervallum zu studien benützen will. eine Anstellung als statthalter etc. würde ich hauptsächlich als Bil- dungsschule wünschen. ich habe übrigens hier noch niemand vom ministerium gesehen, außer heute auf kurze Zeit oettl. der friede ist am 6. geschlossen worden, und nun muß an die organisirung des königsreichs gedacht werden, damit die gräuliche soldatenwirthschaft aufhöre. da verfechte ich dann aus al- len kräften die idee der theilung jenes regno in zwey theile, die absolut nichts mit einander gemein haben dürfen, was um so leichter auszuführen ist, als sie auch bis jetzt ausgenommen dem Popanz eines vicekönigs nichts gemein hatten. vereinzelt können wir sie beyde, oder wenigstens das un- entbehrliche venezianische, mit der Zeit verschlucken, zusammen niemals. vielleicht setze ich hierüber ein mémoire auf. die stimmung ist im ganzen eine gedrückte, trotz des friedens, denn die dinge in ungarn gehen nicht recht vorwärts, die einheit der leitung, vielleicht sogar die einigkeit fehlt. schwarzenberg ist zum kaiser nicolaus nach Warschau, um hierin etwas zu richten. die hauptarmeen in sieben- bürgen, dann an der theiß und untern donau rücken zwar unaufgehalten vorwärts, und nächstens dürfte die letzte größere Armée der ungarn, die unter dembinski und vetter, vernichtet werden, dagegen aber scheinen sich die zersprengten haufen zu guerillas zu organisiren, und die ganze gegend zwischen comorn und Pressburg ist schon von ihnen bedroht, sie halten eben jetzt raab besetzt, und wie lange wird das währen, bis ruhe und mithin die möglichkeit einer ordentlichen verwaltung eintritt?! die gerichtlichen organisationen sind nun für alle kronländer erschie- nen mit Ausnahme der ungarischen, dann galiziens (welches man, ich weiß nicht warum, ganz abgesondert behandelt), dalmatiens (dessen künftiges verhältniß zu croatien noch unentschieden ist) und italiens, die politi- schen bis heute für Böhmen, mähren, schlesien, oesterreich ob und unter der enns, steyermark, salzburg und tyrol, bey den kleinern sind, was ich sehr billige, die Abtheilungen in kreise weggefallen. Pillersdorf hat eine Brochure über die ereignisse des vorigen und lau- fenden Jahres, eigentlich eine rechtfertigung seines Wirkens geschrieben,1 1 franz frh. v. Pillersdorff, rückblicke auf die politische Bewegung in oesterreich in den Jahren 1848 und 1849 (Wien 1849), neudruck Wien 1970, elektronischer nachdruck frankfurt 1998.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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