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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 286 -
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Tagebücher286 Wahrnehmungen sind auf wenige menschen und noch wenigere stände be- schränkt), daß die stimmung hier nicht nur in den untersten klassen, son- dern auch zum theile im Bürgerstande noch immer sehr schlecht sey. die letzten momentanen succés der ungarn vor comorn und raab haben unter diesen leuten großen Jubel erregt, denn sie lassen es sich nicht nehmen, daß die ungarn für die freiheit Aller, auch der Wiener, kämpfen, und sie hassen im militär und in der regierung ihre unterdrücker und warten auf den tag der rache. so ist die gutmüthige Wiener Bevölkerung geworden. Bildung und volkserziehung thäte da vor Allem noth, gerade darin ist aber bisher noch gar nichts geschehen. in ungarn geht es im großen gut, ein paar brillante Affairen an der theiß, temeswar entsetzt, auch raab wieder genommen, der große krieg ist wohl bald zu ende, wie lange aber wird der kleine dauern? [Wien] 20. August früh entscheidende ereignisse in ungarn. görgey hat am 13. mit 30–40.000 mann sich an general rüdiger ergeben, als er haynaus sieg bey temeswar erfuhr und sich von 3 Armeekorps: haynau, schlick und rüdiger umzingelt sah. Kossuth und Bem sind in die Türkey geflohen. Kossuths Absetzung und görgeys ernennung zum dictator scheint sich denn doch zu bestäti- gen, wenigstens hat görgey gleichzeitig an die commandanten der 3 noch von den insurgenten besetzten festungen comorn, Arad und Peterwardein den Befehl zur übergabe geschickt, und Arad hat sich auch in folge dessen ergeben. leider weiß man, obwol die telegraphische depesche schon am 17. hier anlangte, noch immer keine détails, da der courier ohne sich hier auf- zuhalten zum kaiser nach ischel ging. Auch die minister erfuhren nichts. der ungarische krieg scheint demnach zu ende, und zwar in der vor- theilhaftesten Weise, durch freywillige unterwerfung, freylich in der zwölf- ten stunde, doch hoffe ich, daß dieses dénouement den guerillakrieg verhü- ten (einzelne räuberbanden wird es geben, doch wird man mit ihnen bald fertig werden) und die endliche Pacification bedeutend erleichtern wird. Heute werden in Mailand die Ratifikationen des Friedens ausgewechselt, und Bruck soll damit hier ankommen. mittlerweilen hat radetzky eine all- gemeine Amnestie mit namentlicher Ausnahme von 86 individuen publi- cirt. ich war neulich lange bey Bach, doch sagte er mir nichts über eine mir zugedachte Bestimmung, und ich berührte es natürlich ebenfalls nicht. ich werde daher auf keinen fall lange mehr hier bleiben, sondern, sobald das Wetter besser wird, eine excursion wahrscheinlich nach salzburg, tyrol etc. machen, braucht man mich, so wird man mich schon zu finden wissen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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