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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 287 -
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28724. August 1849 [Wien] 24. August Wir haben jetzt seit 6 tagen regen und nichts als regen, man kann zu fuße nicht vor die thüre. dazu meine Beschäftigungslosigkeit und die unlust zu irgend einem studium oder lektüre, welches mir Alles so fade und ohne interesse erscheint, es gehört wirklich viel dazu, um nur bey einer halbwegs erträglichen laune zu bleiben. ich möchte fort und weiß nicht wohin? die Zahl der menschen, mit denen ich in früherer friedli- cher Weise verkehren kann, ist auf eine sehr geringe herabgeschmolzen, meinen eigenen verwandten und früheren besten Bekannten gehe ich aus dem Wege, weil ich fühle, daß wir uns gegenseitig unangenehm geworden sind. Andere sind verbittert, verstört und daher ungenießbar geworden. ganz allein aber im lande und in den Bergen herumzuwandern, ist eben- falls auf die dauer nicht auszuhalten, nach ischel mag ich nicht gehen, nicht nur wegen der Bergen, sondern vorzüglich weil ich dort wieder nur eben solche leute treffen würde, denen ich ausweiche. ins Ausland – aber wohin? deutschland mag ich jetzt nicht betreten, da noch Alles in nebel und leidenschaft gehüllt ist, und meine Anwesenheit auch ein unnöthiges Aufsehen erregen würde – und wohin sonst? nebstdem kann ich mich auch nicht zu weit entfernen, um bey der hand zu seyn, wenn man mich hier brauchen sollte. ich möchte für mein leben gerne wieder in ein thätiges leben kommen, je angestrengter desto besser, ja es macht mich sogar völ- lig nervos, daß ich in einer Zeit wie dieser aus langweile ins theater gehen und spatzieren fahren muß, und daß alle diese lebensfragen ohne mich entschieden werden sollen, und doch kann ich keinen schritt dazu thun, um von dieser unerträglichen lebensweise erlöst zu werden, ja werde viel- leicht sogar aus höhern rücksichten die erlösung ausschlagen müssen, wenn sie mir gebothen wird! man möchte manchmal so ganz langsam des teufels werden. Bruck soll dieser tage ankommen, und es scheint, daß dieser minister pour tout faire die Zukunft italiens ganz ausgebacken in seiner Westenta- sche mitbringt und für seine collegen das italienische orakel seyn wird, es hängt nun davon ab, ob seine Ansichten mit den meinigen übereinstimmen, ob ich nach italien gehen werde oder nicht, da man mich aber in gar nichts und um gar nichts befrägt, so wird man es in dieser frage wohl auch nicht thun. Übrigens ist der Friede ratificirt, und Radetzky hat eine der umfassend- sten Amnestieen verkündiget, wovon sich freylich Piemont das verdienst zuschreiben wird. ich frage aber: wie kann man nach einem solchen vor- gange eine ähnliche Amnestie in ungarn und (woran man am schwersten gehen wird und kann) hier lange verweigern? Paskewitsch hat an seinen kaiser einen impertinenten Bericht erstattet, den die russischen ämtli-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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