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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher290 besuchen. das Wetter ist herrlich, die gegend non plus ultra, und so waren der heutige und gestrige tag sehr angenehm. ich wollte über ischel zurück, hörte aber eben, daß Gräfinn Bergen noch immer dort sitzt, was meine Pro- jecte dérangirt, lange kann ich ohnehin nicht von hause wegbleiben, weil ich meine schwanzcur bald anfangen will.1 erzherzog Johann ist neulich hier durch auf seiner reise nach frankfurt, er wird heute oder morgen in hohenschwangau beym könige von Bayern eintreffen, wohin auch felix schwarzenberg kömmt. da wollen dann diese drey Weisen etwas erkleckliches für deutschland auskochen. J’en doute. inzwischen hat die preußische regierung den kammern über die deutsche frage Bericht erstattet und sämmtliche Akten vorgelegt. die reden Bülows in der 1. und radowitz’s in der 2. kammer sind fest und entschieden. das unionsproject, welches canitz in Wien übergab, will die diplomatie oester- reichs und des deutschen Bundesstaates concentriren, ein unionsdirecto- rium von 4 stimmen in regensburg bestellen, wovon oesterreich 2 und den vorsitz, der Bundesstaat ebenfalls 2 hätte. oesterreich kann sich aber sei- ner eigenen auswärtigen Politik nicht begeben, sich nicht die hände binden lassen, selbst angenommen, daß die übrigen großmächte sich eine solche concentration gefallen lassen sollten.2 [salzburg] 2. september Abends ich habe ein paar recht angenehme und schöne tage in dieser herrlichen gegend verlebt, gestern war ich in Berchtesgaden, um gabrielle zu be- suchen, und machte mit ihr die fahrt zum königssee und über densel- ben zum Bartholomäusschlößchen, wo wir am ufer des sees aßen. heute nachmittag war ich im klingensteinerhof, wo Arthur und resi Pallavicini, clementine mocenigo und die alten spaurs wohnen, also ein kreis von alten und lieben Bekannten, und fand zu meinem unsäglichen erstaunen spaur in einen liberalen verwandelt! morgen reise ich ab und dennoch über ischel, wo ich zwar nur ganz kurz bleiben, doch aber die Bergen be- suchen will. gabrielle erzählt mir, daß sie sehr viel und sehr warm von mir spricht, und besonders so, und mit intention, gegen die höchsten herr- schaften, mit denen sie viel umgeht. das ist hübsch von ihr, obwohl es sonst nicht viel zu bedeuten hat. 1 im vorhergehenden eintrag v. 27.8.1849 klagt Andrian über harnbeschwerden. 2 gemeint ist die denkschrift v. 9.5.1849, die vom preußischen sondergesandten frh. karl Wilhelm v. canitz nach Wien überbracht wurde. die österreichische regierung beantwor- tete sie am 16. mai abschlägig, am 25. mai brach darauf Preußen die sondermission nach Wien ab.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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