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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher294 (dazu görz und istrien) oder die von mailand zugedacht seyn, nous verrons, ob und wie ich es annehmen kann. otium cum dignitate ist besser als eine unpassende stellung. inzwischen habe ich meine cur begonnen und werde täglich vormittags mit Bougiren1 gemartert. doch hoffe ich auf erfolg, und es war hohe Zeit, gestern wurde ich durch einen 2stündigen krampf mit urinverhaltung er- schreckt, der aber durch sitzbäder etc. gehoben wurde. Ich muß jetzt öfters nach Baden fahren, da Gräfinn Khevenhüller gestor- ben ist, für die arme flore in mannigfacher Beziehung ein unersetzlicher verlust, die herzlosigkeit der hohen herrschaften, besonders der erzher- zogin sophie, gegen die unglückliche erzherzogin marianne und ihr ganzes haus übersteigt alle Begriffe.2 nicht nur ihre relegirung nach Baden, wo sie nicht einmahl einen garten hat, sondern selbst in diesem Augenblicke wurde ihr nicht gestattet, momentan sich wo andershin zu begeben. flore dauert mich wirklich, leider kann ich ihr aber nicht helfen. heute war der Buchhändler manz bey mir, um mich wegen herausgabe einer Zeitung nach Aufhebung des Belagerungsstandes zu sprechen und mich zugleich zu fragen, ob ich nichts über unsere gegenwärtigen Zustände zu schreiben gesonnen wäre? An letzteres denke ich aus vielen gründen nicht, wegen eines Blattes aber will ich jedenfalls bis nach erfolgter Auf- hebung dieses Ausnahmszustandes warten und dann nach maßgabe der verhältnisse überhaupt, und der meinigen insbesondere, mich entscheiden. Auch brachte er mir Probebogen eines demnächst erscheinenden Buches von schuselka, worin auch meiner gedacht und meine Beschäftigungslosig- keit dem ministerium vorgeworfen wird.3 [Wien] 16. september das große evénement ist jetzt radetzky, er kam am 13. mittags hier an, da man erst am Abende vorher seine bevorstehende Ankunft erfuhr, so konn- ten keine großen Anstalten zu seinem empfange getroffen werden, dennoch wogte die stadt vom südbahnhofe bis zur Burg, wo er wohnt, voll men- schen, alle häuser waren festlich geschmückt, und er wurde mit ungeheu- erm Jubel empfangen. Wenn davon auch viel auf die angeborene schaulust des Wieners gerechnet werden mag, so ist es doch kein Zweifel, daß bey Weitem der größte theil es fühlte, daß oesterreich niemandem größeres zu 1 harnkatheter. 2 Die am 11.9.1849 verstorbene Gräfin Maria Khevenhüller-Metsch war Obersthofmeisterin von erzherzogin maria Anna (marianne), der jüngsten tochter von kaiser franz i. 3 franz schuselka, deutsche fahrten. Bd. 1: vor der revolution. Bd. 2: Während der revo- lution (Wien 1849). vgl. auch eintrag v. 6.11.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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