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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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29516. September 1849 verdanken hat als radetzky. seitdem spricht man nur von ihm, und wo er erscheint, da drängen sich jubelnde haufen zusammen. der gemeinderath will ihm in den redoutensäälen [sic] ein großes Bankett geben. der kaiser wurde am selben tage, wo radetzky ankam, unwohl, daher seine reise nach triest etc. aufgegeben ist, die eisenbahn von cilly bis laibach wurde heute ohne ihn eröffnet. nun da radetzky, Jellachich und haynau hier sind, sollen die conferenzen wie ich höre morgen beginnen, und zwar sowohl über die neue organisation der Armée, welche statt wie bisher in generalcommandos künftighin in Arméecorps getheilt werden soll, als über die regelung der ungarischen verhältnisse. ob italien auch abgehandelt werden soll, weiß ich nicht, übrigens ist die venezianische deputation bereits angekommen. überhaupt benehmen sich die venezia- ner mit vielem takte, boudiren nicht, fügen sich, ob gern oder nicht, in das unabänderliche und haben radetzky auf das freundlichste empfangen. Auch werden sie sich wahrscheinlich viel besser betten als die dummen mailänder, gegen die radetzky besonders seit der infamen geschichte vom 18. vorigen monats ganz wüthend seyn soll. die venezianer möchten gerne ihren freyhafen, wenigstens auf ein Jahr, zurückhaben. Alexander trubetzkoi ist hier und hat mir viele détails aus mailand erzählt. monte- cuccoli ist ein schafskopf, wofür ich ihn immer gehalten habe, und ebenso lichnowsky, der gouverneur der stadt mailand. Pachta ist abberufen. nach Allem scheint es mir nicht unwahrscheinlich, daß man das mili- tairgouvernement in lombardo venezien noch länger fortbestehen lassen werde, ob dieß gut sey und nothwendig? kann ich von hier aus schwer beurtheilen. in triest und dem küstenlande ist der Belagerungszustand aufgehoben worden, hier regt sich noch nichts, obwohl man es meiner Ansicht nach jetzt unbedenklich thun könnte. Aber man zieht die Zügel immer straffer an und möchte gar zu gerne ein soldatenregiment und eine militärische monarchie haben, ohne zu bedenken, daß dieses bey uns nicht möglich ist. das geldausfuhrverboth ist aufgehoben worden, und man erwartet in verbindung damit die neue Anleihe. in folge dieser beyden maßregeln sind die Papiere, welche z.B. die 5 % schon auf 99 1/2 gestanden waren, um ein paar % gewichen, und das gold- und silberagio, welches bereits auf 10 und 5 1/2 % war, steht heute auf 13 und 7 1/2. im ganzen bessern sich unsere geldverhältnisse bedeutend, und hoffentlich haben wir in dieser Beziehung das schlimmste bereits überstanden. in frankfurt sitzen jetzt erzherzog Johann und der Prinz von Preußen ganz gemüthlich neben einander, ohne daß man weiß, was dieser letztere eigentlich vorstellen soll. Eine Einigung sowohl über die definitive Gestal- tung deutschlands als über die provisorische der centralgewalt scheint so
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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