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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 297 -
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29723. September 1849 ich habe, da ich wegen meiner verwendung noch immer nichts hörte, neulich mit schmerling gesprochen und ihm gesagt, daß ich nichts suche und nichts verlange, da man mir aber wiederholt von einem statthalterpo- sten gesprochen habe, welchen man mir reservire, so wünschte ich doch et- was näheres darüber zu erfahren, damit ich mich darüber aussprechen und überhaupt meine sonstigen Projekte darauf einrichten könne. er sagte mir: Bach hätte ihm gesagt, daß er mir entweder den Posten in triest oder einen der beyden in italien anbiethen werde, und er wolle wieder einmal mit ihm darüber sprechen. ich habe, seit ich wieder hier bin, mit fleiß niemanden besucht noch gesprochen, um jeden schein des sollicitismus zu vermeiden. da ich aber auf keinen fall lange mehr hier bleiben will, so möchte ich über diesen Punkt im reinen seyn, um darnach meine weitern Pläne zu machen. meine cur geht vorwärts, und in wenigen tagen wird die opera- tion der urethrotomie1 geschehen können, worauf ich dann in 2–3 tagen vollkommen fertig seyn werde. dieses war und ist aber die einzige ursa- che, die mich hier festhält. ohne Beschäftigung, ohne irgend einen um- gang (ich müßte denn in das von Offizieren und Schafsköpfen bevölkerte casino gehen, was ich nur sehr selten thue) habe ich ganz und gar keinen grund, diese letzten schönen tage hier zuzubringen, ganz abgesehen von den gründen, welche mich, wenn ich noch längere Zeit unbeschäftigt blei- ben sollte, überhaupt von Wien wegziehen werden. ich sitze daher jetzt viel zu hause, gehe dann, meistens auf topographischen entdeckungsreisen, in den vorstädten spatzieren, fahre bisweilen auf das land, nach Baden, hit- zing, Brühl etc. und sitze die langen Abende im theater, was bey mir immer nur im äußersten nothfalle geschieht. daß ich in dieser Zeit, wo es soviel zu thun gäbe, und wo ich so vieles thun möchte, darauf beschränkt bin, kann weder meinen guten humor befördern, noch meiner eitelkeit schmeicheln, obwol letztere durch die zahllosen ungeschicklichkeiten, welche die jetzi- gen machthaber täglich begehen, wieder ausgesöhnt werden könnte. die organisationswerke, so elend sie auch sind, stocken und verzögern sich, das Provisorium nimmt kein ende und mit ihm die allgemeine unordnung und gesetzlosigkeit. Bach soll seine unzulänglichkeit einsehen und abtre- ten wollen, was ich nicht glaube. Was mich aber wundert, ist, daß er keine größern ernennungen vornimmt und daher die organisirungscommissio- nen in den kronländern den jetzigen provisorischen länderchefs überträgt, so daß der künftige statthalter ein bereits ernanntes und ihm ganz unbe- kanntes Beamtenpersonale vorfinden wird. ein hauptgegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit sind die finanz- operationen, welche krauss jetzt nach glücklich beendeten kriegen endlich 1 harnröhrenschlitzung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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