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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher300 [Wien] 4. oktober Am 28. wurde mir die operation der urethrotomie gemacht, nachdem man mich früher aetherisirt hatte. von dem schnitte fühlte ich demnach gar nichts, dagegen war das gefühl des Aetherisirens ein äußerst unbehag- liches, welches mich auch nachher den ganzen tag nicht verließ. Am 29. hatte ich ein leichtes Wundfieber, seitdem heilt die Wunde zu, nur habe ich mit sitzbädern, umschlägen, einführen von Bougiren etc. noch immer zu thun. Zuhause blieb ich blos 2 tage, den 28. und 29., und selbst am letztern tage nur mit Ausnahme von ein paar mittagsstunden, während welcher ich mich in die sonne im volksgarten setzte. comorn hat sich am 27. ergeben und wird heute in Besitz genommen. die Bedingungen sind: eine 8tägige löhnung für die Besatzung und für die häupter freyer Abzug und ein geringes handgeld. diese milden Bedingun- gen sollen radetzky zu danken seyn. haynau aber wollte sich selbst diesen wohlfeilen lorbeer nicht nehmen lassen, nugent, der bisher die Belagerung commandirte (und freilich schon längst pensionsreif ist), mußte abberufen und pensionirt werden, und haynau reiste am 26. von hier ab, um die co- mödie dort zu ende zu spielen. überhaupt wird über dessen eitelkeit, Brot- neid und hochmuth sehr geschimpft. Beliebt war er nie, nicht einmahl bey seinen Offizieren. ich höre noch immer nichts über die künftige organisirung weder un- garns noch italiens, letzteres dürfte wahrscheinlich noch fort unter mili- tairregiment bleiben, welches sich überhaupt eher auszubreiten als zu ver- mindern scheint. ich höre nun von einer neuen organisirung des heeres in 4 Arméen, die sich wieder in Arméecorps theilen soll. summa summarum, ich glaube, ich werde den Winter in Baden zubrin- gen, sobald ich überhaupt an locomotion denken kann (in 6–8 tagen), werde ich mich entscheiden. [Wien] 7. oktober leidenschaft und rachsucht regieren immer mehr und stärker. felix schwarzenberg ist ein österreichischer Palmerston (nur ein unfähiger), eine erzherzogin sophie in Beinkleidern. oesterreich und rußland haben die diplomatischen verbindungen mit der türkey abgebrochen, weil diese (durch england und frankreich unterstützt) die Auslieferung kossuths & c. verweigert hat. Beyderseits beruft man sich auf traktate, gewiß aber ist, daß oesterreich weder die Auslieferung der italienischen noch der Wiener flüchtlinge begehrt hat, ebensowenig als rußland die der Polen nach 1831. Jedenfalls erscheint diese leidenschaftliche insistenz daher als unwürdig und nebstdem als sehr ungeschickt, da wir unseren Zweck doch nicht errei- chen werden (ein theil der flüchtlinge ist bereits zum islam übergetreten,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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