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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 302 -
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Tagebücher302 den, überall finde ich nur Langeweile und Überdruß. Das einzige, was mich heilen könnte, wäre Beschäftigung, aber auch damit hat es seine haken. schmerling sagte mir neulich, die ernennung der statthalter werde sich bis zur Publicirung der landesverfassungen, also noch weiß gott wie lange, verzögern, einstweilen soll dieses elende Provisorium fortdauern, die kerle möchten die revolution des vorigen Jahres zu ihren gunsten escamotiren. 2/3 der monarchie soll je länger je lieber unter militärherrschaft und Be- lagerungsstand bleiben, da läßt sich um so bequemer Pfeifen schneiden, wenn man im rohre sitzt. Wenn ich so in die nächste Zukunft sehe, so frage ich mich: was soll mit mir werden? mit mir, der ich kein andres interesse, keine andere Beschäfti- gung habe als diese? Je mehr sich dieser Zustand ausbildet und befestiget, desto weniger werde ich meinen Platz darin finden. Ohnehin würde ich nur einen solchen annehmen, der mich jeder solidarität enthebt, z.B. eben den eines statthalters. ich denke daran, mich mit einem Journale in verbin- dung zu setzen, aber auch dieses ist erstlich in der Art, wie ich es wollte (nämlich als herr und leiter desselben), nicht so leicht, und dann habe ich, so wie wohl auch viele Andere, den hohen Begriff ziemlich herabgestimmt, welchen ich damals von der Bedeutung der Journalistik hatte. das Anlehen ist brillant zustandegekommen. im inlande allein sind circa 70 millionen, also der ganze Betrag gezeichnet worden, nun erwartet man noch die resultate des Auslandes.1 Gräfinn Bergen ist hier, eigentlich eine lächerliche Kleinstädterinn voll Prätensionen und Hermelinfieber, die nirgends außerhalb Frankfurt ge- nießbar ist. [Wien] 13. oktober hinrichtungen auf hinrichtungen. Am 6. louis Batthyany in Pesth und 13 generäle etc. (kiss, leiningen, damianich etc.) in Arad, am 10. csányi und Jeszenák in Pesth, und noch eine menge anderer sollen nachfolgen. der ein- druck ist tiefer und allgemeiner als man glaubte, und zwar einer der ent- rüstung und mißbilligung, und hier in Wien ebensosehr wie in ungarn, bey den letzten executionen in Pesth soll es beynahe zu thätlichkeiten gekom- men seyn, der contrast ist aber auch zu groß und muß jedes rechtsgefühl im volke empören und verwirren, da andererseits klapka, ujházy und die übrigen comorner frey herumgehen, ebenso görgey, der italiener gar nicht zu gedenken, von denen auch nicht einer verurtheilt wurde. man spricht 1 für die im september 1849 ausgeschriebene staatsanleihe über 71 mill. gulden wurden in freier subskription 67,7 mill. gezeichnet, den rest übernahm die nationalbank. entgegen den erklärungen der regierung war die Zeichnung im Ausland sehr gering.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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