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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 303 -
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30313. Oktober 1849 beynahe von nichts Anderem, und niemand billigt es, selbst, zu ihrer ehre sey es gesagt, die Offiziere nicht, welche überhaupt, voran die Radetzkyaner und Jellachichianer, haynau nichts weniger als gewogen sind. Bey weitem am meisten aber regt die hinrichtung Bathianys auf, sowol wegen ihrer ne- benumstände (er wollte sich nämlich tödten, verwundete sich jedoch nur am halse und wurde in folge dessen 12 stunden später anstatt gehängt erschos- sen) als weil die meinung immer mehr Platz greift, daß es ein Justizmord war. die Anklage der theilnahme an latour’s ermordung ist nämlich fallen gelassen, und sein urtheil lautet auf hochverrath wegen seiner politischen richtung als Premierminister, dann seines eintrittes in den reichstag nach dessen Auflösung durch den Kaiser, endlich als Freywilliger bey den Hon- veds. dinge, welche theils die todesstrafe nicht verdienen und bey Anderen weit gelinder bestraft wurden, theils in die Periode vor dem 3. october, da ungarn in kriegszustand versetzt wurde, fallen, theils aber nicht vor die competenz eines kriegsgerichts gehören. Wie die minister seiner Zeit dieß verantworten werden, wollen wir sehen, auch haben die Journale, welche mit lobenswerthem muthe hier (nicht in ungarn) ohne Ausnahme ihren Abscheu aussprechen, die minister an ihre verantwortung erinnert, und es wird ihnen nichts helfen zu sagen, daß haynau pleins pouvoirs hatte, sie also, so sehr sie die sache mißbilligten, nichts thun konnten. übrigens höre ich heute, daß der gesunde sinn endlich die oberhand gewonnen hat. haynau, dieser bis- sige, gemeine Bluthund, wird pensionirt, und schlick sein nachfolger.1 Zur characteristik haynaus diene es übrigens, daß dieser gemeine lump jetzt wenigstens noch um eine dotation bettelt und in einem fort weint. radetzky kehrt dieser tage nach italien zurück, um dort weiter zu re- gieren, und das jetzige Provisorium dauert unbestimmt fort, somit versäu- men wir wieder den günstigen Augenblick, uns jetzt, da sich die franzosen in italien so verhaßt gemacht haben,2 einigermaßen zu popularisiren. ra- detzky sowie Jellachich, der noch lange hier bleibt, sind sehr unzufrieden mit der hiesigen rathlosigkeit und unentschlossenheit. die grundsteuer ist für das Jahr 1850 um 1/3 erhöht worden, in italien um 50 %, ob sich dieses bey den jetzigen verhältnissen wird durchführen lassen, werden wir sehen. unsere finanzlage ist sehr schlecht, und es ge- schieht nichts, sie zu bessern, da man an eine reduction der Ausgaben, vorab des heeres, nicht denken will, und die neue organisation enorme mehrauslagen herbeyführen wird. 1 diese information erwies sich als falsch, general haynau blieb generalgouverneur von ungarn. 2 durch die intervention gegen die römische republik und die Wiederherstellung der päpst- lichen macht im kirchenstaat.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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