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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 309 -
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30928. Oktober 1849 zu beweisen versucht, daß italien am ersten reichstage noch nicht vertreten zu seyn brauche, und daß trotz des Ausnahmszustandes in ungarn die ein- berufung des reichstages im laufe des Jahres 1850 doch noch möglich ist, doch glaube ich selbst kaum daran und habe darin mehr eine Waffe gegen das ministerium gesucht.1 schwarzenbergs richtung praevalirt seit stadions Austritte immer mehr, und diese ist weder eine liberale, noch eine englisch- aristokratische, sondern ganz einfach eine russische, energisch-absolute. mit geschicklichkeit ließe sich da eine ganz hübsche opposition drechseln, man hätte eigentlich nichts Anders zu thun als zuzusehen, wie sich die leute abnützen, und gelegentheitlich nachzuhelfen. leider ist der „Wanderer“ bis jetzt noch gar unbedeutend, und seidlitz scheint mir nicht der mann zu seyn, um ihn zu heben, er ist zu träge, zu wehklagerisch-sentimental. heute nachmittags begegnete ich Bruck, der mich gleich festhielt, um mir in derselben Weise wie schmerling zu sprechen, nur schien es nach Bruck’s reden, als ob gerade schwarzenberg urplötzlich einen narren an mir gefressen hätte und mich in der diplomatie verwenden wolle!! Was soll Alles dieß bedeuten? sollten sie es schon fühlen, daß sie auf Abwege ge- rathen sind? übrigens haben sie so eben in der Wienerzeitung einen Puff losgelas- sen in Gestalt eines semi-officiellen Artikels, welcher den Zollanschluß an deutschland in 4 übergangsperioden (deren dauer aber nicht bestimmt wird) bespricht und des neugewonnenen höfken maidenspeech seyn soll.2 dadurch soll nun deutschland geködert und von Preußen losgerissen werden. ob es anbeißen wird? der verwaltungsrath hat die Wahlen zum reichstag auf den 15. Jänner festgesetzt. hanover und sachsen haben protestirt. hier im ministerium betrachtet man den dreykönigsbund als bereits aufgelöst. Bey der namenlosen ungeschicklichkeit, womit Preußen 1 eindeutig Andrian zuzuordnen ist lediglich der Artikel in der Wanderer v. 27.10.1849: ue- ber die einberufung des reichstags, Wien 26. october. darin heißt es, dass „die neuen pro- visorischen organisationen für ungarn und italien das Zustandekommen des ersten all- gemeinen österreichischen reichstages im laufe des Jahres 1850 [..] nicht hindern, – daß es aber allerdings nothwendig ist, daß das ministerium eine kräftigere und ernstlichere thätigkeit als es die bisherige gewesen ist, entwickle. – die Aufgabe der österreichischen Presse sei es, diese thätigkeit nicht einschlummern zu lassen, und dafür zu sorgen, daß die verfassung zur Wahrheit werde.“ 2 Wiener Zeitung v. 26.10.1849, 2965f: vorschläge zur Anbahnung der oesterreichisch-deut- schen Zoll- und handelseinigung. in vier schritten wurde zunächst eine innere Zollreform auf beiden seiten vorgeschlagen und dann in drei stufen eine reduktion der bilateralen Zölle für manufakturwaren auf ein viertel des satzes für dritte staaten bzw. eine völlige Zollfreiheit für Waren, bei denen annähernd gleiche Produktionsbedingungen in deutsch- land und österreich herrschen. eine Zolleinigung sei unumgänglich, „das heischt das na- turgesetz der entwicklung – Wohlan denn, vorwärts!“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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