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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 310 -
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Tagebücher310 vorging (und woran bloß die eunuchennatur des königs schuld trägt), wäre es nicht unmöglich, obwol ich es noch nicht glaube. die kammern in hano- ver und sachsen sind berufen, wenn die democratische Partey in denselben vorwiegt, so ist jener Bund allerdings gesprengt. das also sind jetzt unsere verbündeten! Aber wenn es auch gelingt, was weiter? das interim ist noch keine definitive Erledigung, und mit bloß materiellen Vortheilen wird man die deutschen auch nicht abspeisen können. das volkshaus ist und bleibt die frage und der knoten. Wir können also im besten falle die lösung aufgeschoben haben, was kein großer triumph ist, und was wir vielleicht bereuen werden. gagern reist in norddeutschland herum und läßt sich fe- tiren, vielleicht gelingt es ihm, die democratie zur vernunft und zum An- schlusse an Preußen zu bewegen. [Wien] 3. november gestern als am Allerseelentage war eine politische demonstration ange- sagt, wirklich strömten massen von menschen nach dem Währinger kirch- hofe, wo die gefallenen vom märz liegen, der grabhügel war bekränzt und zwey schwerter darauf abgebildet. das war Alles. übrigens fehlt es nicht an dergleichen kleinen Zeichen der übeln Stimmung: neulich pfiffen die studenten den Prof. hye aus, als er vortrug: in oesterreich herrsche die mildeste Justiz (was freilich gerade jetzt sehr untoward war), etc. man sagt nun schon zum zwanzigsten mahle, daß die todesurtheile in ungarn sistirt seyen, inzwischen hat haynau die zu weniger als 1 Jahre ver- urtheilten amnestiirt [sic] und die noch anhängigen untersuchungen für ge- ringere vergehen niedergeschlagen, was wieder um vieles passender durch den kaiser selbst geschehen wäre. die liebe für den „allgeliebten ritterlichen kaiser“ will noch immer nicht recht kommen. Alle Augenblicke wird hier Jemand wegen schimpfereyen auf denselben verhaftet und bestraft, und ich fürchte, daß er durch sein obercommando der Armée (welches übrigens im- mer weiter greift) auch die liebe dieser eher einbüßen als gewinnen wird. Wie das militär wirthschaftet, davon erhalten wir täglich mehr Beyspiele, so wurde neulich Jemand zum militär assentirt, weil er einen Artikel ge- schrieben, worin er seine verwunderung äußerte, daß Windischgraetz und nugent noch nicht pensionirt seyen!! das hauptereigniß ist die einführung einer einkommenssteuer, von der ich mir aber bey ihrer mangelhaften einrichtung keinen großen ertrag ver- spreche.1 Mittlerweilen beträgt das currente Deficit monatlich 7–8 Millionen, 1 das kaiserliche Patent v. 29.10.1849 verfügte die einhebung einer einkommenssteuer zur deckung der außerordentlichen staatserfordernisse für 1850. die einführung war als pro- visorisch deklariert, „um bei den außerordentlich gesteigerten Bedürfnissen des staates
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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