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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 311 -
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3116. November 1849 die valuta bessert sich nun schon seit 2 monathen nicht, das silber kommt nicht zum vorscheine, das Papiergeld mehrt sich, die neuen organisationen werden das Budget in Zukunft zum allerwenigsten verdoppeln, kurz ich sehe nicht ein, wie wir einem Bankerott ausweichen können, wenn die Armée nicht tüchtig reducirt wird. eine solche reduction hat aber an sich schon große schwierigkeiten, und noch größere in der stimmung des kaisers. morgen ist die silberne hochzeitfeyer des erzherzogs franzcarl und der erzherzogin sophie, ihre sämmtlichen schwestern, die kaiserin mutter, königin von Preußen und sachsen etc. sind gestern angekommen, um die- ses höchst unwichtige ereigniß zu feyern,1 für die erzherzogin sophie ist dieses ein willkommener Anlaß, wieder einmahl die komödie zu spielen. die preußischen kammerverhandlungen über die revision der octroyirten verfassung sind für uns, die wir zu seiner Zeit dasselbe zu thun haben wer- den, sehr wichtig, freilich werden wir nur in sehr wenig dingen es nöthig ha- ben, wie in Preußen, im conservativen sinne zu amendiren. leider zeigt sich dort ebenso, wie wir es wahrscheinlich erleben werden, die übermacht des bureaukratischen, die omnipotenz der regierung verfechtenden Principes, wo es sich um schmälerung der volksfreiheit handelt, da sind die minister und Bureaukraten dabey, und ebenso, ja noch weit mehr, wo das aristokra- tische, grundbesitzende, unabhängige stabilitätselement vernichtet werden soll. um fideicommisse aufzuheben, eine erbliche Pairskammer zu verhin- dern etc., da alliiren sie sich unbedenklich mit der linken. So wird das volk nicht politisch reif gemacht. neid, Wühlerey und charakterlosigkeit auf der einen, Ärger und reaktionsgedanken auf der andern seite werden aber da- durch verewigt, und das monarchische Princip gewinnt dabey nichts. [Wien] 6. november in ungarn nehmen die dinge einen gang, der mir nicht gefällt. geringer bringt eine menge deutscher Beamte (und man weiß, was unsere Beamte sind) dahin, alle ungarn von einiger Bedeutung, selbst die allerloyal- sten wie feri Zichy, cziráky, somsich etc. treten ab. eine österreichische die bisher unbenützt gebliebenen, oder nicht in gehörigem maße für den staatshaushalt in Anspruch genommenen Quellen des einkommens nach möglichkeit zu benützen, und einer gerechten, ebenmäßigen umlegung der öffentlichen lasten näher zu rücken.“ die endgül- tige regelung blieb dem zu berufenden reichstag vorbehalten. 1 erzherzogin sophie war eine tochter von könig maximilian i. von Bayern aus dessen zwei- ter ehe. von ihren sechs lebenden schwestern war karoline Auguste (aus der ersten ehe des vaters) Witwe kaiser franz i. und damit „kaiserin-mutter“ (des nur ein Jahr jüngeren „stiefsohnes“ ferdinand i.). elisabeth war mit friedrich Wilhelm iv. v. Preußen verhei- ratet, maria Anna mit friedrich August ii. v. sachsen, und Amalie Auguste mit dessen Bruder und 1854 nachfolger Johann v. sachsen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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