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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 315 -
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31527. November 1849 es ist seit ein paar tagen Winter geworden, neulich fuhr ich an einem unfreundlichen schneetage mit gabrielle und gottfried zu flore nach Ba- den aus, wo sie in der verbannung sitzt. ich aber wäre lieber draußen als hier. [Wien] 27. november neulich fragte mich m. strasoldo im Auftrage Bach’s: ob ich als landeschef nach dalmatien gehen wolle? ob als civilcommissär nach triest ad latus Wimpffen’s? ob endlich als sectionschef ins ministerium des inneren? ich erwiderte „ad 1. daß ich vorerst wissen müsse, ob dalmatien fortan zum „dreyeinigen königreich“ gehöre, daher unter Jellachich stehen werde, in welchem falle ich schon gegenwärtig mit nein antworten müsse, ad 2. ent- schieden nein, ad 3. daß ich dazu vorerst die stellung eines sectionschefs und überhaupt nähere détails kennen müsse. übrigens wäre mir jedenfalls der executive dienst lieber und homogener als der am schreibtische, daher in abstracto ein statthalterposten, in concreto etwa der in gratz.“ seitdem war strasoldo wieder bey mir und meinte, daß die ernennungen im laufe dieser Woche erfolgen dürften. sonst konnte er mir nichts näheres sagen, denn Bach kam erst gestern nachmittag mit dem kaiser zurück. ich glaube beynahe, daß, wenn man mir nicht einen der beyden Posten: Wien (über den noch immer nichts ausgemacht seyn soll) oder gratz anträgt, ich es vorziehen würde, eine Art von sinecur als sektionschef anzutreten, ich bleibe da im centrum, bin für alle eventualitäten in Bereitschaft und kann, wenn sich Aperturen ergeben (was bey den jämmerlichen Wahlen, es sollen meistens die bisherigen provisorischen länderchefs verbleiben, nicht ausbleiben kann), meine Wahl treffen. Auch allenfalls mit éclat austreten, wenn die dinge zu arg werden sollten. übrigens sind diese schon gegenwärtig arg genug, von allen seiten er- hebt sich geschrey, opposition und unzufriedenheit, die geldmänner wegen der immer drohenderen finanzzustände, die industriellen wegen Bruck’s ungeschickter aber pfiffig seyn sollender Demonstrationen für den Zollverein, die Steuerpflichtigen wegen der neuen Steuern aller Art, Aristo- kraten, liberale etc., niemanden thut es das ministerium recht, in ungarn vollends gibt es kaum einen mann, der nicht aufs Äußerste erbittert ist, und Geringer findet seine Beamten nur mehr in einem completen Gesindel, weggejagte Bediente und dergleichen helfen ihm das land regieren und sollen das österreichische Bewußtseyn in ungarn verbreiten. das interim verzögert sich noch immer, weil Preußen und oesterreich sich darüber in den haaren liegen, ob der erzherzog Johann die neue Bun- descommission feyerlich installiren soll oder nicht! und diese 2 mächte, die nicht über die kleinste kleinigkeit einig werden können, sollen zusam-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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