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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 317 -
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3173. Dezember 1849 ein „provisorischer“ verwaltungsbezirk: Woiwodina und Banat, ist or- ganisirt, zu diesem gehört „provisorisch“ die Woiwodina. Was aus diesem verwaltungsbezirke werden soll, soll der reichstag, zu welchem kronlande die Woiwodina kommen soll, hingegen der kreistag dieser letztern bestim- men, ein kauderwelsch von Provisorien, aus denen sich der teufel zurecht finden mag.1 in ungarn und siebenbürgen sieht es grauenhaft aus, förmliche Anarchie und rechtslosigkeit. gouverneur Wohlgemuth hat, geradeso wie Wimpffen in triest, nicht über einen mann zu disponiren, da er nicht zugleich corps- commandant ist, wozu dann ein militärgouverneur?! das gold steht auf 18 %, das silber auf 11, die finanzlage wird immer verworrener, trüber und geheimnißvoller. die Armée allein kostet soviel als die gesammten einnahmen tragen. krauss aber druckt brav Papiergeld. mit Preußen scheint es beynahe zum klappen zu kommen. schwarzen- berg soll gegen den erfurter reichstag energisch protestirt, Brandenburg aber ebenso energisch geantwortet haben. das 2. Arméecorps in Böhmen hat Befehl erhalten sich marschfertig zu halten, in sachsen, wo die kam- mern am 26. eröffnet wurden, befürchtet man krawall, und da wollen wir, ehe uns Preußen abermals zuvorkömmt, interveniren, zugleich als demon- stration gegen erfurt, zu einem kriege wird es dann doch nicht kommen, und schwarzenberg wird wieder fiasco machen. ich habe heute einen Arti- kel geschrieben, worin ich beweise, daß oesterreich kein recht hat, gegen den Bundesstaat zu protestiren, ich bin neugierig, s’il prendra.2 l. frankl, der an einer umfassenden geschichte der österreichischen revolution arbeitet, war bey mir, um meine materialien, erinnerungen und erlebnisse in Anspruch zu nehmen. Bey der kurzen rolle, die ich darin gespielt (13. märz – 13. may, und da noch mit der unterbrechung vom 5.– 1 Das Patent, womit „vorläufig, in so lange nicht über die künftige organische Stellung dieses landestheiles in unserem reiche, oder über dessen vereinigung mit einem anderen kron- lande im verfassungsmäßigen Wege definitiv entschieden seyn wird,“ die Woiwodschaft serbien und temeser Banat mit eigener landesverwaltung „unabhängig von jener un- garns“ geschaffen wurde, war mit 18.11.1849 datiert. 2 der Wanderer v. 5.12.1849, Abendblatt: die deutsche frage vom österreichischen ge- sichtspuncte. Wien 5. dezember. der Artikel schließt an Andrians ebenfalls anonym am 29.11., morgenblatt, und 3.12.1849, Abendblatt, erschienene Arbeiten „die großdeutschen“ an und kommt zum schluss: „Wir stehen daher nicht an, es offen auszusprechen: in oes- terreichs eigenem dringenden interesse liegt es, daß der deutsche Bundesstaat zu stande komme. es wäre die Aufgabe des österreichischen ministeriums, in diesem sinne nicht nur jeder hemmenden einwirkung sich zu enthalten, sondern zugleich die initiative zu ergreifen, um das künftige verhältniß oesterreichs zu deutschland auf neue und dauernde organische grundlagen zu stellen – damit würde es nicht nur die größe des vaterlandes nach Außen, sondern auch die nationale einigkeit im innern gestärkt und befestigt haben.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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