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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 318 -
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Tagebücher318 16. April), habe ich nicht viel zu liefern, und da noch weniger schriftliches als erinnerungen, die ich ihm mittheilte, und von denen er noten machen will. [Wien] 7. december Willers1 war als kourier des reichsministeriums hier und ist heute zurück. die Bundeskommissarien gehen endlich ab, und es wird dennoch eine Art von Feyerlichkeit bey der Installation stattfinden, seine eigentliche Auf- gabe: Geld (etwa 300.000 fl.) für den Sold der Reichsmarine und die letzten Acte der sterbenden centralgewalt zu erhalten, hat er zwar nicht erreicht, doch hofft er, daß die commissarien die Anweisung mitbringen werden. nach dem, was er mir sagte, scheint man in frankfurt noch ziemlich san- guinische hoffnungen zu haben, Preußen in schach halten zu können, ihm Baden, die sächsischen herzogthümer etc. wieder aus dem rachen zu rei- ßen, damit Würtemberg und sachsen zu arrondiren und überhaupt die idee der sechs reichskreise zu verwirklichen. man verspricht sich dort dazu Wunderdinge und energische unterstützung von oesterreich. doch scheint Willers hier von diesen illusionen sehr zurück gekommen zu seyn, wozu ich auch kräftig beygetragen habe, übrigens hat ihm auch schwarzenberg mer- ken lassen, daß man hier noch vieles für wichtiger halte als die deutsche frage und am ende, wenn sich die deutschen könige nicht selbst zu helfen wissen, sie wohl fallen lassen könnte. sollte dieses ein sporn für diese oder der Anfang des einlenkens seyn? wohl Beydes. Ich befinde mich in dieser Sache von Anfang an in entschiedener Oppo- sition gegen die Politik des ministeriums, und dennoch, so sehr sie mich auch interessirt, finde ich es nicht für gerathen, diese Opposition weiter zu treiben als bis zu einem ganz unverholenen Aussprechen meiner Ansicht, wenn ich darum befragt werde. Alle deutschthümler, radikalen, föderali- sten (z.B die ungarn, ostdeutsche Post etc.) und die große Zahl der unkla- ren befinden sich, sonderbar genug, hierin auf der Seite des Ministeriums, also darunter manche, mit denen ich es ohne Noth nicht verderben will. nebstdem wäre es am ende allerdings für oesterreich das vortheilhafteste (wenn ich es auch wenigstens auf die dauer nicht für möglich halte), wenn es gelingen sollte, einen theil süddeutschlands von Preußen zu détachiren und in folge dessen an uns zu bringen. Wenn ich daher auch sehr wohl weiß, was ich thun würde, und im ganzen das was das ministerium thut, entschieden mißbillige, so habe ich mich doch mit Ausnahme von ein paar Artikeln, die ich in diesen letzten tagen in den Wanderer geschrieben habe, in dieser frage ganz passiv verhalten. 1 Wohl der sächsische diplomat und schriftsteller Alexander villers.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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