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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 323 -
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32327. Dezember 1849 ich gehe mit ziemlicher unlust daran, einen entschluß zu fassen. Weder für die eine noch für die andere Alternative werde ich mich mit freuden entscheiden. es ist ein ganz beschränkter Wirkungskreis, der meiner in görz wartet. dazu kömmt, daß mir die hiesigen und überhaupt die öffent- lichen Zustände nicht vertrauenerregend genug vorkommen, um in die- sem Augenblicke in dienste des ministeriums zu treten, die dinge stok- ken, so die landesverfassungen, die Activirung des gemeindegesetzes etc., in italien gährt es wieder, der Belagerungsstand hier und anderwärts wird cum gratia in infinitum ausgesponnen, die Presse täglich mehr ein- geschüchtert, neulich verboth Welden bey kriegsrechtlicher Behandlung, auch die „Presse“, welche in Brünn fortgesetzt werden sollte (was nun aber unterbleibt) zu abonniren!!1 diese leidenschaftliche verfolgung der bis vor kurzem so conservativen und achtungswerthen „Presse“ wird Bruck zuge- schrieben, der überhaupt immer verhaßter wird, seine operationen, sein oder eigentlich des „lloyd“ unanständiges schimpfen gegen die Bank, Pipiz und krauss wird eigennützigen motiven zugeschrieben, und man erzählt sich von ihm manœuvres, welche ganz an das frankreich ludwig Philipps erinnern. Zudem sind die neuen politischen Behörden nichts als die alte, frisch angestrichene Bureaukratie, und ich erwarte daher auch wenig von ihnen. man hat überall die alten länderchefs zu statthaltern ernannt, und mei- stens sind es leute, die sogar vor dem märz für schwachköpfe galten! und da soll ich hinein?! Palacky hat in einer böhmischen Zeitung ein Programm darüber erlas- sen, wie er und seine Parthey den föderalismus versteht.2 die Journale machen davon mehr Aufsehen, als es verdient, denn es ist gewäsch. mich plagt der spleen jetzt manchmal sehr arg, meine unthätigkeit, die unzufriedenheit mit dem gange der dinge, auch wohl gekränkte ei- genliebe, dazu die langeweile, endlich das infame Wetter, es schneyt seit einem monate fast ununterbrochen. mir fehlt jede Art von Zerstreuung und die lust, mir solche zu verschaffen. ich fühle, daß ein solcher Zustand den charakter verbittert und verdirbt. 1 der herausgeber der „Presse“, August Zang, hatte in Annoncen in Wiener Zeitungen das baldige Wiedererscheinen seiner am 8.12.1849 in Wien verbotenen Zeitung im nicht unter Belagerungszustand stehenden Brünn angekündigt. darauf erschien am 21. dezember in der amtlichen „Wiener Zeitung“ eine Warnung vor dem Bezug der „Presse“ unter Andro- hung kriegsrechtlicher konsequenzen, am nächsten tag wurde das redaktionsbüro polizei- lich gesperrt. tatsächlich erschien die „Presse“ ab 27.12.1849 in Brünn. 2 františek Palackýs Programm für ein föderalisiertes österreich erschien am 23.11.1849 in der Prager Zeitung „národní nowiny“.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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