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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 326 -
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Tagebücher326 einsylbiger war ich. mein vorschlag: daß man mich als civilcommissär ad latus Wimpfens und speziell mit den landtagsangelegenheiten (also folge- recht mit der ganzen Administration) beauftragt nach triest schicken solle, war ihm, wie er sagte, eine neue idee, über die er noch mit seinen kollegen, namentlich Bruck, sprechen und sodann auch Wimpfen befragen müsse. ich habe nur darüber einmal kurz mit Bruck gesprochen und werde dieses heute noch ausführlicher thun. die landesverfassungen erscheinen nun hintereinander. das ist aller- dings ein großer schritt vorwärts zu unserer constituirung. erzherzog Johann kam vorgestern Abends an, still und unbemerkt, wäh- rend eben kammerball bey erzherzogin sophie war, welch ein contrast gegen unseren feyerlichen Auszug am 8. July 1848! ich habe ihn noch nicht gesehen, der „Wanderer“ brachte am selben Abende einen sehr taktvollen und gutgeschriebenen Artikel zu seiner Begrüßung.1 übrigens wird er in seinen nächsten umgebungen wenig freundliche gesichter begegnen. man hat ihn von hier aus immer mißhandelt und zuweilen schonungslos exploi- tirt. übrigens ist ihm recht geschehen: er hat weder charakter, noch ener- gie, noch hinreichende intelligenz bewiesen. in der Woiwodina (dieser unglücklichen schöpfung) sieht es elendiglich aus, offene feindschaft zwischen den unterdrückungssüchtigen serben und den magyaren, deutschen und Bunyevaczen (katholischen serben), ebenso schlecht steht es in siebenbürgen, und nicht viel besser in croatien etc. Jel- lachich schimpft hier in allen Wirthshäusern herum, er möchte so ziemlich das für croatien, was man leider gott im märz 1848 den ungarn bewilligte, ich möchte wohl wissen, was der mann noch alles für Peripetieen durchma- chen wird. die hier lebenden ehemaligen frankfurter Abgeordneten kommen wö- chentlich einmal zu einem souper bey streitberger zusammen, neulich war ich auch dort, und da erzählte man mir abermals von einer neuen ministercombination von hartig und mir! diese dummen gerüchte spuk- ken vornehmlich in deutschen Zeitungen, deren einige noch kolowrat in dieses homogene kleeblatt aufnehmen! freilich fügen einige hinzu, daß ich denn doch zu liberale gesinnungen habe, um mich zu einem solchen reak- tionären staatsstreiche herbeyzulassen! und das nennt man öffentliche Meinung! Vielleicht werde ich aber doch gut daran thun, diesen Unflath, 1 der Wanderer v. 9.1.1850, Abendblatt: die Ankunft des erzherzogs Johann, Wien 9. Jän- ner: „Johann ohne land! so wird vielleicht eine künftige geschichte den edlen erzherzog nennen, wenn sie von den träumen und enttäuschungen deutschlands sprechen wird. Aber sie wird es nicht verschweigen können, ihm das Zeugniß zu geben, daß es nicht seine Schuld war, daß diese Träume zerrannen, diese Hoffnungen zerflossen.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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