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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 333 -
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3335. Februar 1850 und auch in ungarn kommt man nicht weiter. in Böhmen gährt es unter der Asche, ja selbst in steyermark, tyrol etc. erhebt sich opposition. das ministerium aber kann immer weniger den Widerspruch ertragen und ge- wöhnt sich täglich mehr an Willkürmaßregeln. gesellig genommen ist mein leben sehr still. manchmal esse ich bey fritz deym, der für sein leben gerne einen politischen salon gründen möchte, aber zu provinziell unbeholfen ist. Zuweilen gehe ich aus alter gewohnheit zur ritter, die ein altes Weib geworden und eine boshafte canaille geblie- ben ist, neulich forcirte mich leop. neuwall (der frankfurter Abgeordnete) zu einer soirée bey ihm, wo ich seine superbe cousine kennen lernte, die mich auch tags darauf auf einem kinderballe bey eskeles entzückte. [Wien] 5. februar Wir haben diese tage einen ziemlich starken eisgang gehabt, der stoß setzte sich am 2. in Bewegung, und am 2. und 3. waren ein großer theil der leopoldstadt, Jägerzeil etc. unter Wasser. seit gestern ist jedoch Alles und ohne große unglücksfälle zu ende, es ist warm und schön, und hoffentlich ist dieser beyspiellos strenge und unangenehme Winter überstanden. gestern Abend erzählte mir Bach, daß er die organisirung des küsten- landes heute im ministerrathe vorbringen wolle. die von Bruck durchge- setzte (bereits erschienene) schöpfung des governo centrale marittimo, worüber er ziemlich ungehalten ist, nehme meiner stellung allerdings den Boden unter den füßen weg, da Bruck einen fachmann als vicepräsiden- ten einsetzen und mir die oberleitung desselben als civilcommissär nicht werde überlassen wollen. Jedoch habe regensdorfer1 jenen Posten nicht angenommen, und vielleicht ließe sich dann doch die sache noch aplani- ren. Bach fragte mich sodann, ob ich nicht als landeschef nach dalmatien gehen wollte? worauf ich Jellachichs wenn auch nur nominelle stellung als statthalter als ein wesentliches hinderniß anführte. er suchte mich zu wi- derlegen und zwar in einer Weise, die für den „ritterlichen Banus“ nichts weniger als schmeichelhaft war. Wirklich scheint der gute nicht nur hier über den löffel barbiert, sondern beynahe auch schon in seiner heimath alles terrain verloren zu haben. Während er sich hier von den Weibern adoriren läßt, 17jährigen Comtessen politische Confidencen macht und überhaupt den staberl in floribus spielt, organisirt sich in croatien eine immer stärkere opposition gegen ihn. Je weniger er hier die gewünschte sonderstellung für sein land (welches er durch möglichst viele Acquisi- tionen, Woiwodina, Banat, grenze, dalmatien etc. zu vergrößern gehofft 1 richtig der triestiner kaufmann karl (carlo) regensdorff, den handelsminister Bruck im ministerrat am 26.1.1850 für diesen Posten vorschlug.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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