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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 334 -
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Tagebücher334 hatte) erreicht, desto schwieriger wird ihm auch dort die Behauptung sei- ner stellung werden. das unpraktische der neuen politischen organisation und namentlich der unglücklichen idee, sie vor der organisirung der gemeinden ins leben zu rufen, zeigt sich nun täglich mehr. Allenthalben auf dem lande herrscht die größte administrative Anarchie. solche erfahrungen schaden dem mi- nisterium mehr als vieles Andere. die organisirung der gerichte ist bis 1. Juny aufgeschoben, wohl auch so lange der Belagerungsstand hier und in Prag. inzwischen breitet sich Bruck immer mehr aus, organisirt Arméen von Beamten, thut aber sonst nichts, superoctroyirt ein neues handels- kammergesetz über das octroyirte vom dezember 1848, weil er den Wider- spruch gegen seine tariffmaßregeln nicht vertragen kann, etc., kurz bringt Allen und Jeden gegen sich auf. krauss macht Plutzer ohne ende, wirft unsummen hinaus, um den Wechselkurs zu heben (vergebens), druckt un- garische Anweisungen ohne ende und macht den staatsbankrott unver- meidlich. Das Militärregiment befestigt sich immer mehr. Soldaten finden es unter ihrer Würde, als Zeugen vor civilgerichten zu erscheinen, etc. so wie die dinge jetzt stehen, hat das ministerium nicht eine Parthey, nicht eine klasse für sich, und wenn man ihnen ihr Benehmen vorhält, wie ich es gestern gegen Bach that, so helfen sie sich mit lieux communs und in letzter Analyse mit der gewalt. meine stellung, wenn ich nach dalmatien ginge, wäre kaum haltbar. es reut die minister, daß sie Jellachich zum statthalter dieses landes, wenn auch unter vorbehalt des entscheides durch den ersten dalmatinischen landtag rücksichtlich der union mit croatien, gemacht haben, und nun hätte ich dahin zu wirken, daß dieser landtag sich dagegen ausspreche. Daher Intrigue, daher höchst wahrscheinlich ein Conflict mit dem Banus, dessen eitelkeit und ehrgeiz groß ist so wie seine Popularität und herr- schaft über die massen, namentlich slawische massen. ich wäre also gegen ihn jedenfalls im Nachtheile und würde ihm bey einem offenen Conflicte wahrscheinlich aufgeopfert werden. heute Abend war slavenball im sophiensaale, sehr glänzend, alle mi- nister, Jellachich etc., doch keinerley Art politischer demonstration. doch wunderte es mich, daß Welden, der trotz vielfachen Wunsches nicht einmal eine maskirte faschingdienstagsredoute gestatten will, diesen erlaubte. die allgemeine stimmung, soweit ich, der ich doch eigentlich mit we- nigen menschen zusammenkomme, sie charakterisiren kann, ist eine un- zufriedene Apathie, eine gereizte langeweile. die Presse ist eingeschüch- tert, und andere organe gibt es nicht, die regierung fährt überall unsanft und erbitternd darein. die höheren klassen boudiren, schimpfen über die märzrevolution und über das „Jakobinerministerium“ und adoriren das
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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