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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 335 -
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33512. Februar 1850 Militär (Ursache daran sind ihre finanziellen Verluste, höher gehen ihre ideen nicht). im militär selbst aber, glaube ich, täuscht man sich sehr. Wir freylich kennen nur die sogenannten chevaleresquen schwadronneure à la eduard clam etc., die Alles zusammenhauen möchten und im kaiser einen zukünftigen kaiser nicolaus sehen. Aber unter diesen steht die masse der Offiziere, deren bürgerliches Element gegen diese absolutistischen Tenden- zen reagirt. von einer organisirung der Partheyen ist übrigens auch nicht eine spur vorhanden. sehr viele leute sprechen mir und Andern von einer Anstellung in triest, ich läugne sie oder erkläre sie für ungewiß. da ich natürlich niemanden davon erzählte, so kann dieses gerücht nur aus dem ministerium oder von hofe kommen. Auch höre ich, daß es schon leute gibt, welche sich darüber aufhalten, daß man daran denke, ein räudiges schaf wie ich bin, anzustel- len!! die denkschrift wegen der Zolleinigung scheint großen eindruck in deutschland zu machen. das verdient sie auch, nur möge man sich nicht einbilden, daß damit die deutsche frage gelöst sey. übrigens stehen die erfurter Aspecten allerdings sehr trübe, der königlich preußische staats- streich vom 7. vorigen Monats und dazu die unbegreifliche Langsamkeit, mit der man vorgeht (im november wurde der reichstag berufen, und am 21. märz tritt er erst zusammen), lassen selbst viele eifrige erkalten. ich habe in diesen tagen zu einem vielleicht sehr folgenreichen unter- nehmen den ersten Anstoß gegeben, nämlich zur gründung einer Zeitung, die sich die gründung einer erblichen Pairie in oesterreich zum vorwurfe nehmen soll. Bey gelegenheit der preußischen Botschaft und des einstim- migen halloh, welches unsere Journale gegen eine Pairie erhoben haben, kam ich zur überzeugung, daß ein gleiches bey uns nur zu erreichen sey, wenn man das terrain de longue main und mit geschicklichkeit praepa- rire und sich dabey sorgfältigst alles reaktionären Anscheines à la gerlach enthielte. daher etwa den englischen torystandpunkt wählte. ich sprach davon mit einigen unserer vernünftigen (rari nantes in gurgite vasto) Ari- stokraten, u.a. mit casimir lanckoronski, und schlug als hauptredakteur Giehne vor. Die Idee scheint Anklang zu finden. [Wien] 12. februar faschingdienstag Abends heute vor tische besuchte ich oettl, als Bach hereinkam und mich zu sich hinüberholte, er sagte mir, daß es mit triest nichts seyn werde, da Bruck das governo marittimo durchaus nicht aus den händen geben und mir un- terordnen wolle, ohne dieses aber sey die stellung für mich zu unbedeu- tend. ich entgegnete darauf natürlich bloß zustimmend, und er bath mich dann, ihm einige vertrauensmänner aus italien nahmhaft zu machen, wel-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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