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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher340 Zang, welcher die „Presse“ in Brünn fortsetzt, hat ihn ersucht, ihn mit mir in verbindung zu bringen, doch habe ich jetzt keine große lust dazu, vor einigen monathen war es umgekehrt. [Wien] 25. februar Jellachich tritt ab, welche stellung er bekömmt, ist noch nicht entschieden. gyulai wird Banus und degenfeld kriegsminister.1 hiermit wäre ja auch die statthalterschaft in dalmatien wieder leer. ob sie mir sie wieder antra- gen? Jellachich fällt, wie soviele, weil er zuviel versprochen, und da er, wie ich ihn beurtheile (welches zu äußern aber unter den enthusiastischen Wei- bern und krautjunkern eine Blasphemie wäre), sehr wenige bedeutende persönliche eigenschaften besitzt, so wird hiemit seine rolle ausgespielt seyn, wenigstens bis zu einer neuen südslavischen erhebung, wo aber seine rolle eine ganz andere seyn dürfte, als es die bisherige war, denn er ist ei- tel, und gekränkte eitelkeit ist zu Allem fähig. es ist merkwürdig, wie Alles von den ministern abfällt, selbst die mir noch vor ein paar monathen wegen ihrer „gutgesinntheit“ unerträglich wa- ren, jeder aus anderen ursachen. Zwey lehren abstrahire ich mir aus dem, was ich seit einem Jahre hier beobachte: kein minister kann populär blei- ben, und er muß mit unabhängigen, ja mit oppositionsmännern in Berüh- rung bleiben, um auch entgegengesetzte Ansichten zu vernehmen. dieses thun die jetzigen minister nicht, und daher leben sie in einer künstlichen Athmosphäre und wissen nichts, was draußen vorgeht. inzwischen fängt es sich um mich herum wieder mehr zu regen an, als dieses seit 1848 der fall war, man kömmt zu mir, beschäftiget sich mit mir, etc. die einen machen mir vorwürfe, daß ich mich so passiv verhalte, und daß man im Publicum die meinung hege, ich neige gar zu entschieden zur Aristocratie hin, wie z.B. dr. herrmann, als Präsident des unterstützungskomités2 ein einfluß- reicher mann und bis noch vor kurzer Zeit ein ultra ministerieller. Andere fordern mich auf hervorzutreten, etc. So war heute Zang mehrere Stunden lang bey mir, er gefiel mir viel bes- ser, als ich mir ihn vorgestellt hatte. er meinte, ich solle mit einer Brochure oder sonst wie wieder vor die öffentlichkeit treten, und die „Presse“ würde sich dann an mich schließen. Jedes große Journal müsse seine männer im hintergrunde haben, die es erforderlichen falles als seine candidaten prä- 1 diese informationen erwiesen sich als falsch. Allerdings wurde general graf August de- genfeld-schonburg am 13.3.1850 zum sektionschef und stellvertreter des kriegsministers ernannt und übernahm am selben tag für die dauer einer inspektionsreise von minister graf franz gyulai nach italien die leitung des ressorts. 2 es handelte sich wohl um ein angesichts der erwarteten Ausschreibung der landtagswah- len gegründetes komitee, vgl. auch eintrag v. 18.3.1850.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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