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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 341 -
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3416. März 1850 sentiren könne, und ebenso brauche jeder politische charakter ein Jour- nal, welches ihn trage. dieses fällt mit meinen Ansichten ganz zusammen, selbst von dem Zweifel an die opportunität meines hervortretens bin ich in letzter Zeit einigermaßen zurückgekommen, da ich bereits angefangen habe, meine ideen über die administrative constituirung oesterreichs zu Papier zu bringen. doch gab ich Zang keine positiven Zusicherungen, sol- che dinge müssen wohl überlegt werden. man erzählt mir von den verschiedensten intriguen, einerseits arbeitet eine coterie: schmerling, Bruck, eskeles, Pereira, meyer etc. auf den rück- tritt krauss’ und dessen ersetzung durch Bruck (welcher in seinem jetzi- gen Ministerio noch nicht hinreichende Gelegenheit zum Stehlen findet), welcher wieder durch eskeles ersetzt werden sollte. Andererseits ist dem kaiser durch weibliche hand ein mémoire über Bruck’s leben und Wirken übergeben worden seyn [sic], qui enléve la paille. Welden will abtreten, und zugleich, daß der Belagerungsstand aufgehoben werde, wogegen sich das ministerium wehrt, welches überhaupt jetzt mit Welden auf sehr gereiztem fuße steht. ich aber gehe in ein paar tagen nach lösch, dort will ich einige tage bleiben und mich sammeln. [Wien] 6. märz Am 28. Abends fuhr ich ab, schlief in Brünn und fuhr am nächsten morgen nach lösch, von wo ich gestern Abends zurückgekommen bin. dieser kurze landaufenthalt hat mir sehr wohl getan. christiane [Bel credi] ist eine allerliebste junge frau, die durch ihre grazie und lie- benswürdigkeit Alles um sie herum heiter stimmt. Außer ihnen sah ich niemand als chlumetzky und Albert Widmann, zwey Brünner politische leaders. egbert selbst steuert mit hohen segeln, declamirt nach seiner ge- wohnheit viel, wirkt aber auch praktisch in vereinen, versammlungen etc. und scheint wirklich auf dem Wege zu seyn, sich eine einflußreiche Stellung in mähren zu erwerben, so ist er z.B. Präsident des historisch-statistischen vereines.1 überhaupt scheint in mähren ein ziemlich reges leben zu seyn, mit dem ministerium ist man auch dort sehr unzufrieden, namentlich mit Bachs elenden organisationen, welche das ganze land in Anarchie verset- 1 graf egbert Belcredi schrieb über den Besuch Andrians in seinem tagebuch am 13.3.1850: „victor Andrian war einige tage hier auf Besuch. er klagt über das ministerium, die halt- losigkeit seiner Auswärtigen Politik gegenüber deutschland und den mangel an kenntnis der practischen und localen verhältnisse, welche die innere Politik zu keinem Ziel gelangen lässt. die finanzen stehen von tag zu tag schlechter, man spricht immer mehr vom un- vermeidlichen Bankbruch und der Insolvenz des Staates.“ Jaromír Boček (Hg.), Z deníků moravského politika v eře Bachově (Egbert Belcredi 1850–1859) (Vlastivědná knihovna moravská 24, Brünn 1976) 14.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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