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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 343 -
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34314. März 1850 ich, ist die Brochure klar und praktisch, das einzige resultat, das ich mir davon verspreche, ist die öffentliche Aufmerksamkeit auf die reformen zu lenken, welche auf den nächsten landtagen und dem reichstage auf dem gebiethe der inneren organisation zu beantragen sind, da die minister ihre büreaukratischen liebhabereyen nicht aufgeben zu wollen scheinen. Zang ist hier und will, ich soll mich bey Bach verwenden, daß der Presse der debit in Wien und später ihre rückkehr hieher gestattet werde. ich habe es ihm zugesagt, obwohl ich mir wenig erfolg verspreche. Zang will sich an mich anschließen und hat meine ideen über administrative decen- tralisation adoptirt. ein großes Journal wäre allerdings ein mächtiger Bun- desgenosse für mich, besonders da mir der Wanderer immer mehr entglei- tet, da sich schwarzer immer mehr desselben bemächtigt. ich werde zwar Bach die Angelegenheit in dem lichte darstellen, als ob er sich dadurch ein organ erwerben würde, dessen er allerdings jetzt so ziemlich entbehrt, doch zweifle ich fast, daß er sich über den Löffel wird barbieren lassen. Zang ist ein practischer durchtriebener kerl, der in Paris Journalistik studiert hat und, wie er sagt, die nothwendigkeit einsieht, sich an einen mann, an einen namen anzuschließen. ich muß mich nun ihm gegenüber sicher stellen. Je- denfalls ist die Presse nicht zu verachten, selbst wenn Bach nicht eingeht. schmerling hat mir neulich wieder von dalmatien und überhaupt von ei- ner Anstellung für mich gesprochen. mich ekelt die ganze geschichte schon an, obwohl ich mehr als jemals den drang nach einer ordentlichen Beschäf- tigung in mir spüre und gerade in diesen tagen deßhalb sehr verstimmt war. morgen ist es ein Jahr, daß ich hier müßig gehe. das hätte ich mir im traume nie einfallen lassen, und es hat wirklich keinen sinn, in einer Zeit, wo man alle kräfte so nothwendig braucht, mich spatzieren gehen zu lassen, so urtheilt die ganze Welt und hegt wie natürlich die absonderlich- sten muthmaßungen, so scheinen auch die minister zu urtheilen, aber den- noch muß ich glauben, daß es ihre Absicht ist, die männer ihrer Wahl sind meistens ganz unbrauchbare leute und blamiren sich gleich in den ersten tagen, so lazanzky, Burger, Wimpffen etc.1 mir scheint, sie fürchten sich vor capacitäten, und bey der jämmerlichen figur, die sie spielen, begreife ich es. trotz alles dessen scheinen ihre Actien momentan wieder besser zu ste- hen als vor 14 tagen, wenigstens hört man weniger von crisen. mit Jel- lachich scheint man sich vereinigt zu haben, und er soll nun doch wieder Banus bleiben. in ungarn und italien rückt nichts vom flecke. gestern reiste gyulai plötzlich ab, wie man sagt auf eine inspectionsreise nach ita- 1 Graf Leopold Lažanský war Statthalter in Brünn, Friedrich Moritz Burger in Graz, und graf franz Wimpffen militär- und Zivilgouverneur in triest.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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