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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 354 -
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Tagebücher354 ten. dieses habe ich neulich schmerling ganz offen gesagt, und er, der viel- leicht noch entschiedener als ich derselben Ansicht ist, bath mich um ein paar tage geduld, er werde diese sache zu einer persönlichen Angelegen- heit machen und im ministerrathe zur sprache bringen. er nimmt sich dieser sache sehr warm an, weil es seiner eigenen persönlichen Ansicht entspricht, und er einen großen Werth darauf legt, mit mir auf gutem fuße zu bleiben, ich halte ihn daher nicht, so wie überhaupt nicht für falsch, eher für schwach und leicht zu leiten. Wenn nun, wie ich beynahe glaube, nichts aus der sache wird (was ich dann dem kaiser und schwarzenberg zuschreibe), so breche ich offen und wähle mir einen passenden Anlaß, dazu mangelt es bey den gegenwärtigen conferenzen über das italienische statuto nicht, und ich habe schon in die- sen letzten sitzungen vorgearbeitet. Bach ist schwankend und zweydeutig, Pederzani ein eingefleischter Italiener, und Alle Andern reine Nullen. Bach hat nicht den muth, die theilung in 2 kronländer unverhüllt auszuspre- chen. Anderseits läßt er sich von den ultramontanen hier und in italien beherrschen und ist für volle freyheit der kirche, eines wie das Andere nur, um sich Anhänger und stützen zu erwerben, es ist sein ewiges misé- rables schaukelsystem. dieses ganze ministerium kömmt mir vor wie ein Bediententroß, der sich in den salons breit macht, weil der herr noch nicht erschienen ist. ich habe ein paar mahle sehr heftig gesprochen, und wie ich von schmerling eine Antwort habe, breche ich. Zugleich lasse ich meine Brochure los, welche morgen fertig wird (und die mir jetzt nur als zu gemä- ßigt erscheint), und sorge dann für den gehörigen sturm. Zang habe ich selbst zu Bach geschickt, da ich von diesem nie eine be- stimmte Antwort erhalten konnte, übrigens muß ja der Belagerungsstand doch bald ein ende nehmen, und da brauchen wir Bach nicht mehr, von be- deutenden concessionen Zang’s wird daher jetzt nicht mehr die rede seyn können. es ist nun schon vollkommener sommer, bis 18° Wärme, um so mehr treibt es mich fort von hier, ich möchte so gerne reisen, habe aber kein geld dazu. [Wien] 19. April heute sprach ich mit schmerling, er sagte mir, er sey eigens zu Bach ge- gangen, um mit ihm wegen mir zu sprechen, und zwar ganz in dem tone wie ich neulich mit ihm (schmerling) gesprochen. Bach wäre ziemlich ver- legen und betroffen gewesen, habe gesagt, wie sehr er gewünscht hätte, mir etwas anbiethen zu können, jetzt aber sey kein mir angemessener Platz mehr vorhanden, und so seyen sie Beyde ziemlich pikirt auseinandergegan- gen. schmerling meinte, nach der Art, wie er mit Bach gesprochen, müsse ich diesen nun ganz fallen lassen, und ich wiederholte ihm, daß ich dieses
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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