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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher360 dabey beabsichtigen, ist ihnen selbst nicht klar, vor der hand soll es eine demonstration seyn, daß ihnen der frühere Zustand, wo allerdings nicht gewählt wurde, lieber war – wie viehisch dumm! [Wien] 7. may morgen früh reist der kaiser nach triest, er wird circa 10 tage ausbleiben, ihn begleiten schwarzenberg, Bach, Bruck und schmerling, als hätten sie nicht Wichtigeres hier zu thun. mittlerweile gestalten sich die Aspekten immer trüber, trüber als sie vielleicht jemals seit october 1848 gestanden, der kaiser soll sehr nach- denklich und bekümmert seyn. die unzufriedenheit über die kirchenge- setze und die zunehmende desorganisation in ungarn und siebenbürgen haben sogar die eherne mauer durchdrungen, welche das ministerium und grünne um ihn gezogen haben. eine dankdeputation des katholikenverei- nes hat er nicht vorgelassen, um nicht dann auch zahllose deputationen im entgegengesetzten sinne empfangen zu müssen. Auch die geldverhältnisse werden immer schlechter, das silber steht schon auf 19 % trotz der enormen Anstrengungen, die krauss (zum ruine der finanzen) macht, um es und die 5 % Papiere zu halten, das italienische Anlehen kommt nicht zu stande, und man wird also, wie bereits ausgespro- chen, zu einer Zwangsanleihe schreiten müssen.1 Wie man aber eine solche realisiren will, ist mir noch nicht klar. die Arméeauslagen absorbiren noch immer für sich allein die gesammten einnahmen, an eine reduction denkt man nicht und kann bey schwarzenbergs schuljungenpolitik nicht denken. dazu kömmt noch hess mit seinen riesenhaften Befestigungsplänen und militärbauten und Bruck mit seinen Bauten und Auslagen aller Art, jeder minister wirthschaftet hirnlos für sich fort, kreirt tausende von Beamten etc. etc., als hätten wir überschüsse von millionen. Meine Brochure findet großen Beyfall und geht reißend ab. Manz sagte mir neulich, daß er von einer Auflage von 2400 nur mehr 500 Exemplare auf dem lager habe. Besprochen ist sie bisher hier noch wenig worden, d.i. in den Journalen, die ministeriellen Blätter suchen sie so lange als mög- lich zu ignoriren, kuranda hat aus alter rancune gegen mich bisher ihre Besprechung unterdrückt und bloß einen Auszug geliefert, so bleibt denn von hiesigen Blättern nur der Wanderer. mehr besprochen wird sie in den Provinzen, obwol nur in Böhmen, Brünn und Agram eine eigentliche poli- 1 tatsächlich war im April in lombardo-venetien eine freiwillige Anleihe ausgeschrieben worden, die trotz verlängerung der subskriptionsfrist nur zu einem Zehntel der erwarteten summe gezeichnet wurde. erst im november 1850 wurde sie durch eine Zwangsanleihe ersetzt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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