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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 363 -
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36316. Mai 1850 Berührungen bringt, die nie zu vernachlässigen sind. diesen Abend traf ich dr. löhner im leseverein und ging lange mit ihm spatzieren, zum ersten- mahle seit 1848, er denkt ans Auswandern, sieht schwarz und roth und ist voll verhaltenem ingrimm. Wir Alle haben seit 2 Jahren Blut gerochen und unsere nerven gestählt, vielleicht hat die vorsehung das Jahr 1848 nur als vorspiel und Abrichtung angesehen. [Wien] 16. mai der kaiser ist auf seiner ganzen route, von dem bisher so loyalen Wiener neustadt angefangen, ziemlich schlecht empfangen worden. triest, das so auffallend begünstigte, macht natürlich eine Ausnahme. vielleicht hilft dieses ihm die Augen öffnen. man spricht auch von einer ernsten brouillerie zwischen radetzky und grünne. der fürstenkongreß in Berlin scheint ziemlich einig, es soll demnächst das reichsministerium, gagern an der spitze, ernannt werden und das er- furter Parlament wieder zusammentreten, womit dann der engere Bund definitiv fertig wäre. Dagegen machen wir in Frankfurt Fiasco. Preußen vollendet zuerst seine union und wird dann frankfurt beschicken, um dar- aus noch weiter soviel nutzen zu ziehen als möglich.1 rußland hat sich in dieser frage für Preußen und gegen uns ausgesprochen, wie man sagt und mir sehr glaublich erscheint, nun da den guten felix schwarzenberg sein herr und meister im stiche läßt, wird er vollends herumrennen wie ein herrenloser hund und vor aller Welt zum gelächter werden. in dem letzten ministerrathe hier am 7. wollten er und sein Bedienter Bach allen ern- stes in sachsen einrücken und krieg gegen Preußen, doch krauss schnürte den Beutel zu.2 die finanzlage wird immer schlechter und schlechter. der Bericht der Bankcommission hat dieses erst recht constatirt, ohne hinrei- chende mittel der Abhülfe anzugeben.3 1 der seit 8.5.1850 in Berlin tagende fürstenkongress der 26 unionsstaaten konnte sich nicht auf die Annahme der am 13. bzw. 17. April von den beiden häusern des erfurter Parlaments angenommenen verfassung einigen, beschloss jedoch, die union bis 15. Juli zu verlängern. österreich dagegen hatte am 26.4.1850 alle deutschen staaten zu einem Bun- deskongress nach frankfurt eingeladen, um die frage der Zentralgewalt nach Auslaufen des österr.-preußischen interims am 1.5.1850 zu erörtern. nachdem österreich die Bedin- gung, dass die unionsstaaten ihre stimmen durch Preußen als vorstand gemeinschaftlich abgeben würden, abgelehnt hatte, nahm neben den nicht zur union gehörenden Bayern, Württemberg, sachsen, hannover und vier kleinstaaten lediglich kurhessen am Bundes- kongress teil, der am 10. mai in frankfurt eröffnet wurde. 2 Wenn Andrians informationen stimmen, muss es sich um eine informelle, jedenfalls nicht ins Protokoll aufgenommene Debatte gehandelt haben. Vgl. das offizielle Protokoll in Die Protokolle des österreichischen ministerrates 1848–1867. ii. Abt., Bd. 3 (Wien 2006) 24–28. 3 der Abschlussbericht der im märz 1850 eingesetzten, aus vertrauensmännern aus den
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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