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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher364 Andererseits wirkt die unzufriedenheit über die kirchen-gesetze immer tiefer und weiter, die drückenden steuern, ungarn, siebenbürgen, die im- mer nicht enden wollende Anarchie der verwaltung auch in den sogenann- ten organisirten Ländern etc., lauter Dinge, die immer drohender und fin- sterer sich zusammenziehen. indessen fange ich an eine Partey zu organisiren, meine Brochure wirkt immer nachhaltiger, besonders in den Provinzen. die grenzboten hatten neulich einen vortrefflichen practisch gehaltenen Artikel darüber,1 die grätzer Zeitung eine Aufforderung an alle Patrioten sie zu beherzigen,2 beynahe alle in- und sehr viele ausländische Zeitungen Aufsätze darüber, neulich sogar die ministerielle deutsche reform in Berlin einen leitartikel über meine Behandlung der deutschen frage.3 Brochuren über die von mir angeregten Punkte werden vorbereitet, ebenso ausführlichere Besprechun- gen in den Journalen. vielleicht mache ich den sommer rundreisen, Zang ist in Brünn, wo egbert [Belcredi] und hingenau sitzen, ich habe ihnen das losungswort gegeben: schonungsloser Angriff auf Bach. leider habe ich den Wanderer, dessen sich schwarzer nunmehr ganz bemächtigt hat, nicht mehr so in der hand wie vor ein paar monaten, doch habe ich durch seidlitz noch immer einen fuß darin. dagegen ist kuranda mein feind und beobachtet in der ostdeutschen Post ein hartnäckiges stillschweigen. die gründe dieser feindschaft datiren aus dem Jahre 1848, aus frankfurt und eisenach.4 kronländern bestehenden kommission zur reform der nationalbank war mit 26.4.1850 datiert. die reformvorschläge wurden vom ministerium weitgehend ignoriert. 1 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 9 (1850), i. semester, ii. Bd., 225–229: Andriani’s Programm: centralisation und decentralisation. die rezension beginnt mit: „die kleine Broschüre […] ist ein ereigniß für oestreich. ihr verfasser, Baron von Andri- ani, dessen klarer und kräftiger geist seit dem Jahre 1848 fest auf der idee der trennung oestreichs von deutschland gestanden hat, stellt sich durch diese schrift an die spitze einer großen und mächtigen opposition in oestreich, welche sich aus den besonnenen fö- deralisten aller landestheile bildet.“ 2 Ein entsprechender Artikel in der Grazer Zeitung lässt sich nicht finden. Im Gegenteil heißt es in einer kurzen sammelrezension am 2.5.1850 (die neuesten Broschüren über oesterreich, Wien 30. April), Andrians Broschüre sei ein „anspruchsloses Büchlein.“ 3 deutsche reform politische Zeitung für das constitutionelle deutschland v. 5.5.1850, mor- gen-Ausgabe: die stellung oesterreichs zu deutschland. Andrians Broschüre wird darin ausführlich zitiert als gegengewicht zu den „unreifen stimmen“ aus österreich, „die so häufig herübertönen.“ Der Artikel bezeichnet Andrian als in den letzten Wochen häufig genannten kandidaten „bei den gerüchten über minister-veränderungen.“ 4 Über einen Konflikt mit Ignaz Kuranda in Eisenach während der Reise der Wiener Deputa- tion nach Frankfurt Anfang April 1848 finden sich keine Hinweise im Tagebuch, vgl. jedoch Andrians abfällige Beurteilung kurandas in seinen einträgen über diese reise.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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