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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 365 -
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36521. Mai 1850 [Wien] 21. mai es ist nun vollkommen frühjahr geworden, ich denke bald fortzugehen, vor der hand zwar nur, um einige kürzere coursen zu machen, wie ich den sommer verbringen werde, weiß ich noch nicht, ins Ausland zu gehen habe ich kein geld, die cursdifferenz beträgt gerade 1/3. ich werde also dieser tage nach grätz gehen, wo meine ideen bedeutenden Anklang zu finden scheinen, vielleicht läßt sich da ein Anfang einer Parthey organi- siren und auf den nächsten landtag vorarbeiten. ein gleiches werde ich Anfangs Juny in Brünn versuchen, wo schon bedeutend vorgearbeitet wird. vielleicht komme ich auch nach Prag. die slavischen organe sind endlich losgegangen und pflichten mir durchaus bey. Die Union meint nur, ich habe mich durch zuviele schonung für die verfassung vom 4. märz zu einigen inconsequenzen verleiten lassen, während die südslawische Zeitung meine ideen ausführlich mit dem bekannten Palackyschen manifeste vergleicht und sie ganz übereinstimmend findet.1 dagegen will hingenau in seiner Brochure auf die unterschiede zwischen Palacky und mir hinweisen. noch mehr aber erhalte ich mündliche versicherungen der Zustimmung, ja es ist eigentlich, einzelne regierungsbeamte und systemsnarren (wie fritz deym) ausgenommen, niemand, der mir nicht zustimmt. elemente zu einer Partey wären also genug vorhanden, es handelt sich nur darum, sie zu einer solchen zusammenzufassen, was allerdings nicht leicht ist. Alles was früher bestand und einer Partey ähnlich sah, ist zerfahren, die Apathie der großen mehrzahl, die furcht der einen, die reue der Andern, die Ab- genütztheit vieler unter den Besten, und vor Allem Andern die dummheit fast Aller erschweren die sache außerordentlich. ich sprach gestern lange darüber mit stifft, der meine Ansichten vollkommen theilt, er sprach von einer Adresse an den kaiser in der Art der ungarischen, was ich aber für unzweckmäßig halten würde. Wir können nicht durch den loyalen (bey hofe beliebten) klang unserer nahmen gewinnen und noch nicht durch eine hin- ter uns stehende Partey imponiren. Vielleicht findet im kommenden Monat auf stiffts gute bey krems eine Zusammenkunft statt. die deutschen Journale exploitiren natürlich in ihrem, dem kleindeut- schen, sinne das, was ich über die deutsche frage sagte, und reden viel von der großen und immer wachsenden Parthey, welche hinter mir stehe. Bey der schwebe, in welcher jetzt diese frage zwischen Berlin und frankfurt steht, kann dieses nicht ohne Einfluß seyn, und mein Verhältniß zu Felix 1 südslawische Zeitung [Zagreb] v. 13.5.1850, Palacky und Andriani. der mit dem kürzel A.e. gezeichnete Artikel stammte vom klagenfurter Priester und Publizisten Andrej ein- spieler. der Artikel in der ebenfalls auf deutsch erscheinenden Prager „union“ konnte nicht gefunden werden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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