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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 368 -
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Tagebücher368 college von mir aus london. das sind immer bittere mahnungen an eine bessere vergangenheit. hier hatte ich gestern und heute vollauf zu thun, da ich morgen wieder absegle. das neueste hier ist: totale sinnesänderung des ministeriums hinsicht- lich ungarns, man gibt klein bey, gibt die Woiwodina auf, will einen un- garn an geringer’s stelle ernennen, ihnen ein eigenes civil- und strafrecht lassen!!1 das Alles kömmt von rußland, mit denen die Altconservativen ohnehin immer intriguirten. Bach ist ein totaler hundsfott. schwarzenberg ist nach Warschau, um dem Kaiser zu hofieren,2 wir sind ein gospodarat von rußland geworden! das Andere neue ist, daß der könig von Preußen unser ministerium we- gen seiner deutschen Politik beym kaiser von rußland verklagt hat, so weit ist es gekommen. ich lobe mir die Provinz, hier hat man nichts als Ärger und verdruß. diese momentane thätigkeit thut mir wohl, weil sie mich zerstreut. den- noch aber sehe ich immer mehr und wenn ich von hier fort bin noch klarer, daß meine stellung nicht die rechte ist, ich wurzle nirgends, werde überall mit Aufmerksamkeit, ja mitunter mit verehrung aufgenommen, habe aber doch keine eigentliche Parthey hinter mir, weil ich in keiner Provinz zu- hause bin, eine jede hat ihre männer und coriphäen, und in Wien nichts derley zu stande zu bringen ist, in zwey Worten: ich habe mächtige feinde (die mächtigsten, wie ich noch immer vermuthen muß, bey hofe selbst) und keine freunde, das muß oder sollte doch anders werden: ich muß mich irgendwo ansiedeln, d.i. heirathen, einen grundbesitz erwerben, und ich muß mit dem hofe frieden schließen, eines von beyden, oder beydes. An ersteres will ich ernstlich denken, denn es muß seyn. hingenau, eine Art von gschaftelberger und (übrigens recht brauchba- rer) vielschreiber, hat eine Brochure über meine Brochure, die manches gute enthält, geschrieben und mir übersendet, ich habe ihren druck durch manz veranlaßt.3 1 diese informationen erwiesen sich als falsch, vgl. eintrag v. 7.6.1850. 2 ministerpräsident fürst felix schwarzenberg war von 28.–30.5.1850 zu gesprächen mit Zar nikolaus, dem russischen staatskanzler graf karl nesselrode und preußischen vertre- tern in Warschau. 3 Zur frage der centralisation oder decentralisation in oesterreich. eine stimme aus mäh- ren. Vom Verf. der „Vertraulichen Briefe aus Wien“ (Wien 1850); auch diese anonyme Bro- schüre wird weder in den Katalogen noch in den biografischen Einträgen Freiherr Otto von hingenau zugeschrieben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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