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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 372 -
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Tagebücher372 daran (in welchem falle wir auch ihre leitung nicht so ganz den gratzern überlassen können) werde von den resultaten unserer Besprechung abhän- gen, übrigens sey mein rath, frisch drauf los anzufangen. ob sie nun am 1. oder am 15. beginnt, werden wir sehen. in ungarn geht es immer schlechter, von dem revirement, das vor 3 Wo- chen wahrscheinlich war, keine rede mehr. Bach scheint wieder oberwas- ser zu haben, der hundsfott swieczeny ist wieder nach kaschau zurück- gesendet worden und wühlt die Bauern auf, die unsicherheit des adeligen eigenthumes in folge dieser regierungspolitik (welche ganz offen erklärt, daß sie aus ungarn ein galizien machen wolle), die rechtsunsicherheit überhaupt, der übermuth des militärs etc. übersteigt alle schranken. Wenn wir nicht bald landtage bekommen, so weiß ich nicht, was werden soll, und trotz Allem kann ich nicht glauben, daß das ministerium diese einberufen wird, da es weiß, daß es damit sein todesurtheil spricht. Die Reaction wird immer unvernünftiger, die unbegreifliche und boden- los dumme Preßverordnung in Preußen. dagegen wird rußland immer grö- ßer und gefürchteter. Preußen und wir sind seine knechte geworden. die deutschen Fürstlein, Neapel, Toskana, Griechenland, Alles fleht und wim- mert zum kaiser nicolaus, der orient, die donauländer sind schon so gut wie sein, c’est un grand homme, unsere leute aber sind kleine hundsfötter. in frankfurt geht auch nichts vom flecke. Preußen will dem congresse nicht den charakter einer fortsetzung des Bundestages und Plenums zu- gestehen, und hat recht. ich fühle, daß ich sehr gereizt bin, zum theile mag es langeweile und mangel an hinreichender thätigkeit seyn, ungewisse Aussicht in die Zu- kunft und dabey doch das gefühl, daß ich, wenigstens vor der hand, nichts anders habe, woran ich interesse nehmen könnte als die Politik. die arme louise Praschma ist am 13. in salzburg gestorben. ich war wieder 2 tage in Baden, wo es aber noch leer und langweilig ist. gestern spazierte und sprach ich sehr lange, seit 1848 zuerst wieder, mit nandine karoly im volksgarten, eine gescheidte frau, so gescheidt als eine frau, und zwar hier, es seyn kann. kolb hat mir einen Abgesandten, dr. Peschel geschickt und möchte gerne anknüpfen. Aber meine Bedingung ist: Bruch mit dem ministerium in in- nerer und äußerer Politik, und dieß wird er schwerlich eingehen. übrigens ist Bayern der klassische Boden des Particularismus, der reaction, und vonder Pfordten ein wahrer Wütherich als hanswurst, neulich hat er eben wieder eine Philippika gegen die armen gothaer1 geschleudert und gesagt: 1 die gemäßigten liberalen, die das preußische unionsprojekt unterstützten, benannt nach ihrer versammlung von 26.–28.6.1849 in gotha.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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